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| 07.06.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Eliasson: "Ich bin ein Mainstream-Künstler" | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Porträt. Neo-Kiesler-Preisträger Olafur Eliasson hüllt "Verbund" in gelben Nebel. | ||
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Wer ist Olafur Eliasson? Und wer, bitte, Friedrich Kiesler? Beim
Festakt heute Abend, bei dem Ministerin Elisabeth Gehrer Österreichs mit
55.000 Euro höchstdotierten Preis für Kunst und Architektur vergeben wird,
treffen zwei Namen aufeinander, die einer breiten Öffentlichkeit nicht
gerade flüssig von der Zunge perlen. Obwohl sich beide Künstler in ihrer
Zeit im Spitzenfeld der Avantgarde bewegten bzw. bewegen. Kiesler, der grenzüberschreitende austro-amerikanische
Architekt, Bühnenbildner, Künstler und Designer (1890-1965), gilt als so
radikaler wie einflussreicher Visionär des ganzheitlichen Denkens von
Mensch und Raum. Seine "correalistische" Theorie befasst sich mit der
Wechselbeziehung zwischen dem Menschen und seinem natürlichen wie
technologischen Umfeld. Ziel war ein mehrdimensionaler Lebensraum, ein
organisches Kontinuum, in dem Farbe, Form, Licht und mythische Inhalte
einen individuellen Kosmos schaffen sollten. Soweit zum Namensgeber des
seit 1998 alle zwei Jahre alternierend von Republik Österreich und Stadt
Wien verliehenen Preises. Nach Frank O. Gehry, Judith Barry, Cedric Price und
Asymptote erhält die Auszeichnung mit Olafur Eliasson heuer wieder einen
der bildenden Kunst zuzurechnenden Querdenker. Die effektvollen poetischen
Installationen des 1967 in Kopenhagen geborenen Künstlers basieren meist
auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, beschäftigen sich mit
Phänomenen wie Licht und Nebel, bestehen aus Wasser oder Eis. Wobei die
Maschinerien der Täuschung aber nie romantisch verschleiert, sondern
deutlich sichtbar gelassen werden: Die Schläuche und Pumpen etwa, die
Eliasson braucht, um einen Wasserfall verkehrt herum, also gegen die
Schwerkraft von unten nach oben fließen zu lassen, wie es zurzeit im Hof
von Francesca Habsburgs TB-A-21-Foundation in Wien passiert. Oder die
Neonröhren, die nebenan im "Raum für eine Farbe" (1997) das intensive
gelbe Licht liefern - worauf man nach Verlassen des Raums alles in Violett
sieht: Ein Effekt, der dadurch entsteht, dass das Auge zuvor die Farben
Rot und Blau kompensieren musste. Seit 1993 lebt und arbeitet Eliasson, der wegen seiner isländischen Eltern oft auf die vulkanische Eisinsel verortet wird, vorwiegend in Berlin, wo der viel gefragte "Darling" der internationalen Kunstszene ein Planungsbüro mit bis zu 50 Mitarbeitern betreibt. Drei bis vier Jahre im Voraus plane er Projekte, so Eliasson im "Presse"-Gespräch. Demnächst wird er seine Entwürfe für die Fassaden der neuen Konzerthalle in Reykjavik und den neuen Anbau der Hischhorn-Sammlung in Washington abgeben. Die Professionalisierung einer Karriere, die ihn zu
Beginn, 1994, in einer Berliner Garagengalerie noch mit mit Lampe und
Sprühdusche einen Regenbogen zaubern ließ. Und knapp zehn Jahre später der
Turbinenhalle der Tate Modern in London zu ihrem bisher spektakulärsten
Auftritt verhalf: In "The Weather Project" überwältigte Eliasson die
Besucher mit einem monumentalen vorgetäuschten Sonnenaufgang derart, dass
sie sich in Massen auf den Boden legten, um sich im an der Decke
angebrachten Spiegel selbst im dunstigen Tiefrot zu betrachten. Die Erfüllung von dem, was Eliasson sich wünscht: "Kunst soll Spaß machen." Er selbst sehe sich gern als "Mainstream-Künstler", sei skeptisch gegenüber "elitären Tendenzen in der Kunst". Schließlich habe Kunst etwas für den Alltag anzubieten, stehe nicht am Rand, sondern mitten drinnen in einer gesellschaftlichen Infrastruktur. "Mitten drinnen" wird ab Herbst auch in Wien eine fixe Installation des neuen Kiesler-Preisträgers zu erleben sein: Der "Verbund" kaufte Eliassons Arbeit "Yellow Fog", die bereits am Jüdischen Museum New York für Aufsehen sorgte. Nach Ende der Umbauarbeiten, so eine Verbund-Sprecherin, vermutlich im Oktober, wird jeweils ein Mal in der Dämmerung und in der Nacht gelber Nebel an der Fassade des "Verbund"-Hauptgebäudes am Hof emporsteigen. Kiesler Stiftung Wien, "The endless Study", Mariahilfer
Str. 1b, Eröffnung: Heute, Mi., 17h. TB-A 21-Foundation, Nature Attitudes,
bis 9. Sept., Himmelpfortg. 13/9, Di.-Sa. 12-18h. Ab Herbst: "Yellow Fog" an der Fassade der "Verbund"-Zentrale am Hof, Wien 1. |
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