VN Sa, 28.10.2006

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VN-SERIE: Zweiter Anlauf für die Vorarlberger Landesgalerie (Teil 4/5)

Kunstankäufe

auch einfach

verabsäumt

Christoph Bertsch hat einst ein Konzept für eine Landesgalerie erstellt.

CHRISTA DIETRICH

christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225

Bregenz (VN) Im Hinblick auf den Ausbau des Vorarlberger Landesmuseums nun Zurufe zu machen, davon hält der Kunsthistoriker Christoph Bertsch nichts. "Ich kenne die früheren Projekte des neuen Direktors Tobias Natter und glaube, dass er eine gute Lösung umsetzen wird."

Dennoch, der aus Bregenz stammende Universitätsprofessor in Innsbruck hat nicht nur eine enorme Zahl an Publikationen vorzuweisen, er kuratiert nach wie vor - und vor allem im Ausland - Ausstellungen mit aktuellen Arbeiten von österreichischen Künstlern und er hat einst im Auftrag des Landes ein Konzept für eine Landesgalerie bzw. eine Auflistung mit dem Herzeigenswerten erstellt.

Kunsthaus von Vorteil

Dass man später dann doch keine Landesgalerie, sondern ein Kunsthaus baute, erachtet er für völlig richtig. "Es ist gut, dass man in Bregenz einen Ort hat, an dem man sich mit internationaler Kunst auseinandersetzen kann."

Wer ist da provinziell?

Dass qualitätsvolle Arbeiten von Vorarlbergern in der Öffentlichkeit aber nach wie vor kaum vertreten sind, hält er wiederum für weniger gut. Man brauche dafür keine Museumssituation zu schaffen, verdeutlicht Bertsch seine Sicht, könne aber durchaus innerhalb des Landesmuseums damit "bewegliche" Präsentationen und ein vernünftiges Vermittlungsprogramm aufbauen. Und spannende Geschichten erzählen.

Ein Schwerpunkt der Kunst nach 1945 liege sicher bei Gottfried Bechtold. Und gerade bei der Frage nach jenen Künstlern, die man zeigen sollte, erinnert sich Bertsch an unangenehme Vorgänge im Zuge der ersten Kunsthaus-Landesgalerie-Diskussion Ende der Achtzigerjahre. "Die gleichen Leute, die die Präsenz der Vorarlberger vehement forderten, meinten dann, dass das eh alles nur Provinz sei. Ich würde sagen, gerade dieses Denken ist eines, das man nur in der Provinz antrifft - und es ist einfach absurd".

Ankaufspolitik

Kritik übt Bertsch auch an der Ankaufspolitik des Landesmuseums. Dass der Bregenzer Rudolf Wacker (1893Ö 1939) repräsentativ neben Edmund Kalb und Albert Bechtold gezeigt gehört, stehe außer Frage. Dass das Museum gute Werke von Wacker nicht kaufte, obwohl man Sondersubventionen dafür bekommen hätte, erachtet er als großes Versäumnis. "Es müsste doch klar sein, dass man, um Wackers Werk zu begegnen, eben ins Vorarlberger Landesmuseum kommt." Da könnte man eine Forschungsstätte einrichten, Bezüge zu Vertretern außerhalb des Landes herstellen usw.

Nachholbedarf

Es gelte, so Bertsch, einiges nachzuholen, unter anderem, indem man sich nun um Leihgaben bemüht. Der Universitätsprofessor hat sich auch um die kritische Auseinandersetzung mit Herbert von Reyl-Hanisch (1898Ö 1937) verdient gemacht.

Schlüsselwerke des Malers hat sich allerdings der Bauunternehmer Alwin Rohner für seine Privatsammlung in Lauterach gesichert und nicht die Verantwortlichen in den öffentlichen Institutionen.

Dienstag, 31. Oktober:

Neue Auflistungen der Kunst von Vorarlbergern und was damit geschieht. KUL TUR

Bechtold, Schnell, Flatz und Rainer

In Prato bei Florenz hat Christoph Bertsch eines der letzten Projekte mit Arbeiten von Vorarlberger Künstlern verwirklicht.

Wolfgang Flatz war mit einer Kreuzesdarstellung vertreten, die für einige Aufregung sorgte. Dennoch haben ausgerechnet Vertreter der Vatikan-Museen Interesse am Ankauf der Fotoarbeit des Künstlers bekundet.

Anfang nächsten Jahres wird Christoph Bertsch ein Ausstellungsprojekt in Turin umsetzen.

Aus Vorarlberg sind die Künstler Gottfried Bechtold, Ruth Schnell sowie der in New York tätige Rainer Ganahl dabei mit neuen Arbeiten vertreten.

Der in New York tätige Rainer Ganahl ist beim nächsten Projekt dabei. (Foto: Miro)

Die aktuelle Vorarlberger Kunst ist im Land so gut wie nicht präsent. Das ist nicht befriedigend.

CHRISTOPH BERTSCH

Wacker-Bilder von guter Qualität wurden dem Museum angeboten. Man hat sie nicht gekauft. Das habe ich nie verstanden.

CHRISTOPH BERTSCH

Herbert von Reyl-Hanisch: "Frauenakt", 1930. (Foto: Rohner-Sammlung)




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