VN-SERIE: Zweiter Anlauf für die Vorarlberger Landesgalerie (Teil 4/5)
Kunstankäufe
auch einfach
verabsäumt
Christoph Bertsch hat einst ein Konzept für eine Landesgalerie erstellt.
CHRISTA DIETRICH
christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225
Bregenz (VN) Im
Hinblick auf den Ausbau des Vorarlberger Landesmuseums nun Zurufe zu
machen, davon hält der Kunsthistoriker Christoph Bertsch nichts. "Ich
kenne die früheren Projekte des neuen Direktors Tobias Natter und
glaube, dass er eine gute Lösung umsetzen wird." Dennoch, der aus
Bregenz stammende Universitätsprofessor in Innsbruck hat nicht nur eine
enorme Zahl an Publikationen vorzuweisen, er kuratiert nach wie vor -
und vor allem im Ausland - Ausstellungen mit aktuellen Arbeiten von
österreichischen Künstlern und er hat einst im Auftrag des Landes ein
Konzept für eine Landesgalerie bzw. eine Auflistung mit dem
Herzeigenswerten erstellt. Kunsthaus von Vorteil
Dass man später
dann doch keine Landesgalerie, sondern ein Kunsthaus baute, erachtet er
für völlig richtig. "Es ist gut, dass man in Bregenz einen Ort hat, an
dem man sich mit internationaler Kunst auseinandersetzen kann." Wer ist da provinziell?
Dass qualitätsvolle
Arbeiten von Vorarlbergern in der Öffentlichkeit aber nach wie vor kaum
vertreten sind, hält er wiederum für weniger gut. Man brauche dafür
keine Museumssituation zu schaffen, verdeutlicht Bertsch seine Sicht,
könne aber durchaus innerhalb des Landesmuseums damit "bewegliche"
Präsentationen und ein vernünftiges Vermittlungsprogramm aufbauen. Und
spannende Geschichten erzählen. Ein Schwerpunkt
der Kunst nach 1945 liege sicher bei Gottfried Bechtold. Und gerade bei
der Frage nach jenen Künstlern, die man zeigen sollte, erinnert sich
Bertsch an unangenehme Vorgänge im Zuge der ersten
Kunsthaus-Landesgalerie-Diskussion Ende der Achtzigerjahre. "Die
gleichen Leute, die die Präsenz der Vorarlberger vehement forderten,
meinten dann, dass das eh alles nur Provinz sei. Ich würde sagen,
gerade dieses Denken ist eines, das man nur in der Provinz antrifft -
und es ist einfach absurd". Ankaufspolitik
Kritik übt Bertsch
auch an der Ankaufspolitik des Landesmuseums. Dass der Bregenzer Rudolf
Wacker (1893Ö 1939) repräsentativ neben Edmund Kalb und Albert Bechtold
gezeigt gehört, stehe außer Frage. Dass das Museum gute Werke von
Wacker nicht kaufte, obwohl man Sondersubventionen dafür bekommen
hätte, erachtet er als großes Versäumnis. "Es müsste doch klar sein,
dass man, um Wackers Werk zu begegnen, eben ins Vorarlberger
Landesmuseum kommt." Da könnte man eine Forschungsstätte einrichten,
Bezüge zu Vertretern außerhalb des Landes herstellen usw. Nachholbedarf
Es gelte, so
Bertsch, einiges nachzuholen, unter anderem, indem man sich nun um
Leihgaben bemüht. Der Universitätsprofessor hat sich auch um die
kritische Auseinandersetzung mit Herbert von Reyl-Hanisch (1898Ö 1937)
verdient gemacht. Schlüsselwerke
des Malers hat sich allerdings der Bauunternehmer Alwin Rohner für
seine Privatsammlung in Lauterach gesichert und nicht die
Verantwortlichen in den öffentlichen Institutionen.
Dienstag, 31. Oktober:
Neue Auflistungen der Kunst von Vorarlbergern und was damit geschieht. KUL TUR
Bechtold, Schnell, Flatz und Rainer
In Prato bei Florenz hat Christoph Bertsch eines der letzten Projekte mit Arbeiten von Vorarlberger Künstlern verwirklicht.
Wolfgang Flatz war
mit einer Kreuzesdarstellung vertreten, die für einige Aufregung
sorgte. Dennoch haben ausgerechnet Vertreter der Vatikan-Museen
Interesse am Ankauf der Fotoarbeit des Künstlers bekundet. Anfang nächsten Jahres wird Christoph Bertsch ein Ausstellungsprojekt in Turin umsetzen.
Aus Vorarlberg sind
die Künstler Gottfried Bechtold, Ruth Schnell sowie der in New York
tätige Rainer Ganahl dabei mit neuen Arbeiten vertreten. Der in New York tätige Rainer Ganahl ist beim nächsten Projekt dabei. (Foto: Miro)
Die aktuelle Vorarlberger Kunst ist im Land so gut wie nicht präsent. Das ist nicht befriedigend.
CHRISTOPH BERTSCH
Wacker-Bilder von guter Qualität wurden dem Museum angeboten. Man hat sie nicht gekauft. Das habe ich nie verstanden.
CHRISTOPH BERTSCH
Herbert von Reyl-Hanisch: "Frauenakt", 1930. (Foto: Rohner-Sammlung)
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