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vom 12.02.2007 - Seite 010
MULTIMEDIA: Ausstellung als Rebellion gegen das Vergessen

Erinnerungen auf 329 Kilometern

VON DIETLIND HEBESTREIT

Ein spannendes Konzept steckt hinter der multimedialen Ausstellung von Alexander Jöchl, Hermann Lohninger und Chris Müller in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen: Hätten sich alle 200.000 Häftlinge des KZ Mauthausen die Hände gereicht, so wäre eine mehr als 300 Kilometer lange Menschenkette entstanden - vom Ort des Grauens bis nach Nürnberg, wo die Rassengesetze erlassen worden sind. Das Trio begab sich an der tatsächlich 329 Straßenkilometer langen Strecke auf Spurensuche nach Gedenk- und Mahnmälern, die das Dritte Reich betreffen - und auch auf die Suche nach einer geeigneten Form des Erinnerns.

Das Erschreckende: Neben zahlreichen Krieger-Denkmälern - teils blumenbekränzt und gut gepflegt - fanden sie nur zwei Opfer-Gedenkstätten.

Mit einem Video und oft sehr stimmungsvollen, auf Gestriges verweisenden Fotos dokumentieren die Künstler ihren Weg. Viele der Aufnahmen versetzen sofort in längst vergangene und gerne verdrängte Zeiten, rufen wie auf Knopfdruck schreckliche Bilder auf. Dass die Abzüge ein wenig lieblos auf gebrauchte Schalungstafeln getackert sind, soll als Metapher dafür gelten, dass für lebendige Erinnerung, für das "perfekte" Mahnmal noch nicht das passende Material gefunden wurde, dass dafür ständiges projekthaftes Arbeiten notwendig ist.

Durch die Präsentation sollen auch die Irrungen und Windungen von 70 Jahren Erinnerungspolitik dargestellt werden.

Technische Pannen

Beeinträchtigt wird die Arbeit durch mangelnde Beschriftungen und technische Pannen - etwa dass die Video-Doku nur ohne Ton zu sehen ist.

"Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte war eine Katastrophe", sagt Chris Müller, der von zahlreichen Pannen bei der Ausstellungsumsetzung des Projektes erzählt. Er verspricht nachzubessern.

Info: KZ-Gedenkstätte Mauthausen, Besucherzentrum: bis 24. April, Montag bis Sonntag jeweils 9-17.30 Uhr

Fotos versetzen in vergangene, verdrängte Zeiten. Foto: OÖN/dh


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