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Husch, husch ins Körbchen

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Sie hat die Körbchengröße von Basketbällen. Zwei Basketballkörbe würden ihr also wie angegossen passen. Kurz: Wenn diese Sexbombe irgendwo detonieren würde, wären alle Umstehenden silikonverschmiert. Aber so weit lässt es Eva Tauchen (bis 10. Februar in der Galerie Wolfrum, Augustinerstraße 10) in ihrem plakativ prallen Gemälde natürlich nicht kommen.
Laut Bildtitel lebt diese Liebesgöttin im "globalen Schlafzimmer": "www.lola.et" ("et" wie Eva Tauchen, die aber trotzdem keine Puffmutter im digitalen Wunderland ist). Das Eva-Tauchen-Land ist ein bisschen mit Las Vegas wahlverwandt: Die Farben (und Körperformen) schreien so lauthals, dass man sie beim besten Willen nicht übersehen kann, alle amüsieren sich und nicht zuletzt sind manche Bilder an der Rückseite wie Christbäume dekoriert (mit Lichterketten). Schön, wie zwanglos bunt hier der Lebenslust gehuldigt wird. Sogar der steifen Freiheitsstatue scheint jemand ein Aphrodisiakum in den Korrosionsschutz gemischt zu haben, weil die Dame jetzt eine "Kleider-Allergikerin" ist, die sich die "Allergene" herunterreißt wie Demi Moore die ihrigen in "Striptease".
Dass auch "oberflächliche" Bilder voller gelungener, bitterbös-komischer Einfälle sein können, davon hat mich jene Bikini-Maid überzeugt, die sich zwar ganz an das Klischee von der "Sexappeal-Tussi" hält, die bloß einkaufen geht, telefoniert und der Aufputz eines erfolgreichen Mannes ist, egal wie der aussieht. Allerdings ist dieser Mann die leibhaftige Mickymaus. Und Mickey dürfte mit seiner Freundin überfordert sein, wie es ein männlich veranlagtes Quietschentchen mit Pamela Anderson in den unendlichen Weiten des "Baywatch"-Ozeans wäre. Und wer auf dem Einkaufskorb "Billo" liest und "Billa" schon immer für die weibliche Form von "Bill" gehalten hat, wird an eine Geschlechtsumwandlung denken (und dass es jetzt beim "Billa", äh "Billo" nur noch Heimwerkerutensilien gibt).
Heinz Stangl (zwei Stockwerke höher) ist bekanntlich ebenfalls kein Vegetarier. Seine Bilder haben mehr Fleisch, als die Biologie erlaubt. Es reicht also nicht, wenn man die Arme, Beine und Augen zusammenzählt und dann alles durch sechs dividiert und schon wüsste man, wie viele Personen sich im Bild aufhalten. Stangl hat nämlich eine Vorliebe für die simultane Darstellung von Bewegungsphasen. Aber auch für aufgerissene Blusen und akrobatische Verrenkungen, die oft unfreiwillig komisch sind. (Wenn seine Mäderln in die Badewanne steigen, überbieten sie sogar den Stechschritt aus der ehemaligen DDR, aber sie könnten auch eigentlich gerade dabei sein, auszurutschen.) Und wenn Trüffeln Mädchenunterhosen unter Mädchenröckchen wären, dann wäre Stangl ein begnadetes Trüffelschwein. Auch als Kolorist und in seiner zeichnerischen Brutalität ist er ausgezeichnet. Überall ein aggressiver Unterton. Stangl zeichnet quasi weniger wie ein Mann als wie ein Werwolf. Sogar Rotkäppchen sieht bei ihm aus wie Rumpelstilzchen.
Häuser wie hingeschrieben: Wenn in einem Bild die Disziplin der Kalligrafie und die Spritzer des Aktionismus zusammenkommen, dann war Markus Prachensky in Hongkong. Und hat sich zu spannungsgeladenen präzisen Zeichen "hinreißen" lassen, die irgendwo zwischen Architektur und fernöstlichen Schriftzeichen liegen. Fesselnd: die prägnante Schlichtheit dieser Farbgesten und die Bewegungsenergie, die hier gespeichert ist. Hier hat ein Europäer perfekte Kürzel für eine asiatische Stadt gefunden. Bis 15. Februar in der Galerie Ulysses (Opernring 21).

Erschienen am: 26.01.2001

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