VN Sa, 17.11.2001

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Kultur 

Funktioniert doch, oder?

Mensch und Maschine als Thema einer Ausstellung im Künstlerhaus Bregenz

Bregenz (VN-ag) Der Titel ist Programm. Die derzeit im Bregenzer Künstlerhaus zu sehende Ausstellung "it doesn't work" untersucht anhand exemplarischer Positionen die verhinderte Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Dass ein Fehler in der Kommunikation wieder Kommunikation, sprich Kunst, produziert, gilt dabei als gesetzt.

Mit dem Vorwurf des seltenen Funktionierens und der ewigen Ausfälle lebt die Medienkunst seit ihren Anfängen. Das Nachdenken über die Bedingungen von Medienkunst und diese offensichtliche Nicht-Kompatibilität in der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine waren der Ausloser für "it doesn't work". Kuratiert vom Künstler und Theoretiker Markus Huemer spannt die Schau zwar anhand von ganz verschiedenen künstlerischen Positionen einen weiten, internationalen Bogen über das Thema, im gemeinsamen Wesensmerkmal des "verhinderten, gestörten, also fehlerhaften Interagierens mit dem Werk" (Huemer) treffen sich die ausgestellten Arbeiten jedoch wieder.

Vaterfigur

Bewusst an den Beginn gesetzt, markiert die Videoarbeit "Synthesis zweier sequentieller Maschinen" (1967) des mit seinem Tonbandgerät auf der Straße kommunizierenden Mediengurus Peter Weibel nicht nur die historische Position, sondern auch etwas wie ein geistiges Vermächtnis. Direkt ins Netz führt dann die Arbeit des in Barcelona lebenden Antoni Abad. Eine Fliege tummelt sich - ja wo eigentlich - im Raum, im System oder nur auf dem Glas? Ihr lästiges Summen fordert heraus, doch sie ist aller verzweifelter Bemühungen zum Trotz nicht zu fangen mit der Computermaus. Dass sich Medien und handfestes Material nicht ausschließen, sondern sich genau in diesem Spannungsfeld auch ein Teil der ganzen Problematik abspielt, beweisen die hintergründig ironischen Arbeiten von Uwe Bressnik (Wien). Sein dem legendären "Technics 1210" minutiös nachempfundenes DJ-Pult "Bressniks 1210" besteht aus Holz, Moos und Tannenzapfen, während seine mit der Bewegung changierenden "Monitore" und "BILDschirme" eine Art von immaterieller Malerei sind.

Mit einem Bild, das keines ist und nur dann zum Zug kommt, wenn die eigentlichen Bilder versagen, befasst sich die Gemeinschaftsarbeit von Thomas Locher und Markus Huemer. Am völlig unbelasteten Bild haben sich schon viele Künstler versucht, und auch das leuchtende Alphakanal-Blau, das in der Projektion von Locher/Huemer mit den Mechanismen von Bildbefragungen kombiniert wird, basiert auf diesem Ansatz.

Computer-Trauma

Zwei Arbeiten aus einem größeren, im Entstehen befindlichen Werkkomplex zeigt der deutsche Künstler Klaus vom Bruch. Wiederholungen und Verschiebungen strukturieren einen Filmausschnitt aus Robin Hood, während Pokemons, als Dämonen in populärer Form, die Versuchung des hl. Antonius in der Jetztzeit persiflieren. Das Verdienst, das Ausstellungsmotiv in einem einzigen Wort und paradoxerweise in einem riesigen Wandobjekt zusammenzufassen, kommt dem Italiener Pietro Sanguineti zu, der außerdem mit einer klassischen Videoskulptur vertreten ist: "TILT". Wenn es dazu überhaupt noch einer Steigerung bedarf, dann wende man sich an die übers Haus verteilten Info-Terminals der Künstlergruppe JODI. Ebenso wie JODI inkognito arbeitet und nur im Web existiert, sabotieren diese Arbeiten jeglichen Zugang von seiten des Besuchers. JODI verweist nicht nur auf den Störfaktor, den die Schau thematisiert, JODI ist dieser subversive Störfaktor und verleiht dem Trauma jedes Users Gestalt. Und in diesem Sinn funktioniert es ja dann doch wieder, oder?

DJ-Pult aus Holz und Moos von Uwe Bressnik im Bregenzer Künstlerhaus. (Foto: Hofmeister)




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