Bregenz
(VN-ag) Der Titel ist Programm. Die derzeit im
Bregenzer Künstlerhaus zu sehende Ausstellung "it doesn't work"
untersucht anhand exemplarischer Positionen die verhinderte
Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Dass ein Fehler in der
Kommunikation wieder Kommunikation, sprich Kunst, produziert, gilt
dabei als gesetzt.
Mit dem Vorwurf des seltenen Funktionierens und der
ewigen Ausfälle lebt die Medienkunst seit ihren Anfängen. Das
Nachdenken über die Bedingungen von Medienkunst und diese
offensichtliche Nicht-Kompatibilität in der Kommunikation zwischen
Mensch und Maschine waren der Ausloser für "it doesn't work".
Kuratiert vom Künstler und Theoretiker Markus Huemer spannt die
Schau zwar anhand von ganz verschiedenen künstlerischen Positionen
einen weiten, internationalen Bogen über das Thema, im gemeinsamen
Wesensmerkmal des "verhinderten, gestörten, also fehlerhaften
Interagierens mit dem Werk" (Huemer) treffen sich die ausgestellten
Arbeiten jedoch wieder.
Vaterfigur
Bewusst an den Beginn gesetzt, markiert die Videoarbeit
"Synthesis zweier sequentieller Maschinen" (1967) des mit seinem
Tonbandgerät auf der Straße kommunizierenden Mediengurus Peter
Weibel nicht nur die historische Position, sondern auch etwas wie
ein geistiges Vermächtnis. Direkt ins Netz führt dann die Arbeit des
in Barcelona lebenden Antoni Abad. Eine Fliege tummelt sich - ja wo
eigentlich - im Raum, im System oder nur auf dem Glas? Ihr lästiges
Summen fordert heraus, doch sie ist aller verzweifelter Bemühungen
zum Trotz nicht zu fangen mit der Computermaus. Dass sich Medien und
handfestes Material nicht ausschließen, sondern sich genau in diesem
Spannungsfeld auch ein Teil der ganzen Problematik abspielt,
beweisen die hintergründig ironischen Arbeiten von Uwe Bressnik
(Wien). Sein dem legendären "Technics 1210" minutiös nachempfundenes
DJ-Pult "Bressniks 1210" besteht aus Holz, Moos und Tannenzapfen,
während seine mit der Bewegung changierenden "Monitore" und
"BILDschirme" eine Art von immaterieller Malerei sind.
Mit einem Bild, das keines ist und nur dann zum Zug kommt, wenn
die eigentlichen Bilder versagen, befasst sich die
Gemeinschaftsarbeit von Thomas Locher und Markus Huemer. Am völlig
unbelasteten Bild haben sich schon viele Künstler versucht, und auch
das leuchtende Alphakanal-Blau, das in der Projektion von
Locher/Huemer mit den Mechanismen von Bildbefragungen kombiniert
wird, basiert auf diesem Ansatz.
Computer-Trauma
Zwei Arbeiten aus einem größeren, im Entstehen
befindlichen Werkkomplex zeigt der deutsche Künstler Klaus vom
Bruch. Wiederholungen und Verschiebungen strukturieren einen
Filmausschnitt aus Robin Hood, während Pokemons, als Dämonen in
populärer Form, die Versuchung des hl. Antonius in der Jetztzeit
persiflieren. Das Verdienst, das Ausstellungsmotiv in einem einzigen
Wort und paradoxerweise in einem riesigen Wandobjekt
zusammenzufassen, kommt dem Italiener Pietro Sanguineti zu, der
außerdem mit einer klassischen Videoskulptur vertreten ist: "TILT".
Wenn es dazu überhaupt noch einer Steigerung bedarf, dann wende man
sich an die übers Haus verteilten Info-Terminals der Künstlergruppe
JODI. Ebenso wie JODI inkognito arbeitet und nur im Web existiert,
sabotieren diese Arbeiten jeglichen Zugang von seiten des Besuchers.
JODI verweist nicht nur auf den Störfaktor, den die Schau
thematisiert, JODI ist dieser subversive Störfaktor und verleiht dem
Trauma jedes Users Gestalt. Und in diesem Sinn funktioniert es ja
dann doch wieder, oder?
DJ-Pult aus Holz und Moos von Uwe Bressnik im Bregenzer
Künstlerhaus. (Foto: Hofmeister)