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| Büchner-Preis: Verleihung an schreibenden
Filmemacher Alexander Kluge Kultur ist seine Mission, und zur Verbreitung des Schönen und Guten aus Theater, Oper und Literatur ist Alexander Kluge jedes Medium recht. Und er nutzt sie meisterhaft. Darmstadt (APA) - Das beweist nicht zuletzt die lange Liste seiner Auszeichnungen: Für seine Kinofilme ist er mehrmals mit dem Filmband in Gold und den Löwen von San Marco geehrt worden, als Fernseh-Produzent hat er Grimme-Preise erhalten, und auch seine Bücher sind vielfach gepriesen worden. Jetzt kommt auch der "Literatur-Oscar" dazu: Am 25. Oktober nimmt der 71 Jahre alte Autor in Darmstadt den mit 40.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis entgegen.Seine Vergangenheit als Mitbegründer des "Neuen Deutschen Films" Anfang der 60er Jahre und sein Engagement als Produzent von Kultursendungen im Privatfernsehen verstellen oft den Blick auf den Schriftsteller Kluge. Den Durchbruch auf diesem Gebiet erzielte er vor drei Jahren, als er sein erzählerisches Gesamtwerk in der zweibändigen "Chronik der Gefühle" vorlegte. Die Kritiker bezeichneten es als "Jahrhundertbuch" und lobten die Mischung aus Erzählen, Erfinden und Reflektieren. Sein soeben erschienener Band "Die Lücke, die der Teufel läßt" ist gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen worden. Doch Kluge hat sich nicht nur als Erzähler einen Namen gemacht, sondern auch als Verfasser theoretischer Abhandlungen. "Dafür suche ich mir immer einen Co-Autoren", beschreibt er seine Vorgehensweise. So bildet er mit dem Soziologen Oscar Negt nach mehr als 30 Jahren Zusammenarbeit inzwischen ein eingespieltes Team: Von ihrem ersten Buch "Öffentlichkeit und Erfahrung" (1973) bis zu "Geschichte und Eigensinn" aus dem Jahr 2001. Das Buch ist für Kluge, der 1932 als Sohn eines Arztes in Halberstadt geboren wurde, das reichste Medium. Über seine Bücher fühlt er sich mit "vertrauenswürdigen Autoren aus mehr als 2.000 Jahren" verbunden: "Das ist die größte Vernetzung, die ich kenne." Im Vergleich zum Schreiben ist das Filmen eine junge Kunst, "die ich aber genauso liebe", sagt Kluge. Dieses Medium zog ihn als jungen Mann in seinen Bann. Als promovierter Jurist - er studierte unter anderem zusammen mit Jürgen Habermas bei Theodor Adorno in Frankfurt am Main - absolvierte er ein Volontariat beim berühmten Regisseur Fritz Lang. Danach drehte er rund 20 Filme, von denen vor allem "Abschied von gestern" (1966) und "Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos" (1968) international erfolgreich waren. Beim Filmen setzte Kluge - anders als viele seiner Kollegen - immer auf die Zusammenarbeit mit dem Fernsehen, das fast alle seine Werke mitfinanziert. Als 1984 das Privatfernsehen in Deutschland eingeführt wurde, erkämpfte er sich für seine Produktionsfirma DCTP in München Sendezeiten bei RTL, SAT 1 und Vox. "Heute ist das Fernsehen das Leitmedium. Bei Katastrophen wie am 11. September sehen die Menschen erst ins Fernsehen und dann aus dem Fenster", begründet Kluge sein Engagement. "Deshalb will ich das Beste, was in der Kultur passiert, ins Fernsehen bringen." Anfangs von den Programmchefs als "Quotenkiller" und "elektronischer Wegelagerer" beschimpft, gehören Kluges Kultursendungen heute zum festen Bestandteil der Sender. Sein Name steht aber auch für "Spiegel TV" und "Stern TV". Der Erfolg kam für den Erfinder des "Herausgeber-Fernsehens" nicht unerwartet. "Sie dürfen die Zuschauer nicht unterschätzen. Kultur gehört auch zu ihren Lebenserfahrungen." An Ruhestand denkt Kluge noch lange nicht. Im Gegenteil: Jeder Preis ist für ihn Bestätigung, dass er auf dem richtigen Weg ist. 2003-10-17 09:46:36 |