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| 30.12.2005 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Nachruf: Subversiver Krieger | ||
| Der Grazer Künstler Jörg Schlick starb mit 54. | ||
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Dieses Jahr ist ein Trauerjahr für die Grazer Kunstszene,
ein Abgesang auf die einstige Stadt der Avantgarde. Am 27. August
starb der Schriftsteller Wolfgang Bauer. Jetzt, in der Nacht auf
Donnerstag, folgte ihm einer seiner besten Freunde, Jörg Schlick, nach.
Erst 54 Jahre alt erlag der Konzeptkünstler dem Krebs. Dabei hatte das
Multitalent - bildender Künstler, Musiker, Autor, Herausgeber,
Bühnenbildner - noch vor, 10.000 Jahre zu leben, um sein Werk vollenden zu
können. Das gab er noch im Mai 2004 bekannt, als die Neue Galerie in Graz
400 farbenprächtige Fotos Schlicks zeigte, die als Fortsetzung seiner
Beschäftigung mit der Genforschung zu verstehen waren. Damals beschloss der Künstler, die Kombinationsvariationen der vier Bausteine unseres Erbguts durch serielle Anordnung von Alltagsobjekten und Tönen nachzuspielen und so in das System Kunst zu transformieren. Es war seine radikale Absage an das System "Meisterwerk", eine "Ode an das Absurde, Absolute, Unerreichbare", schrieb damals die "Presse". So subversiv, wie er es mit der Kunst sein Leben lang hielt. Seit den achtziger Jahren hatte Schlick die Grazer
Kunstszene mitgeprägt, oft gemeinsam mit Bauer, Martin Kippenberger und
Günther Brus. Anfang der 90er war er Gründungsmitglied der legendären
individualanarchistischen "Lord Jim Loge" und gab ihr Zentralorgan, die
Zeitschrift "Sonne Busen Hammer", heraus. 2001 setzte der "steirische
herbst" einen Schlick-Schwerpunkt: In Dutzenden Galerien in Graz und Wien
waren seine Zeichnungen, Fotos, Collagen zu sehen, sein 1985 in New York
aufgeführtes und mit Schlagzeilen bedachtes Ballett "The Warrior" wurde
unter dem neuen Titel "Ein Bild und sein Schatten" wieder aufgeführt.
Erst vor einem Jahr erhielt der 1951 geborene Grazer den Kunstpreis des Landes Steiermark. In der Begründung der Jury hieß es damals, Schlick habe "seit den 80er Jahren ein komplexes Netz von Werken und Aktivitäten entwickelt, die in ihrer Art in der österreichischen Kunst heute ziemlich einzigartig sind. Seine künstlerischen Aktivitäten fließen nahtlos in solche als Ausstellungsmacher, Aktivist oder Kulturpolitiker, die dabei einen genuinen Bestandteil seines Wirkens als Künstler bedeuten". Immer wieder sorgte Schlick für Aufregung: So etwa 1996
mit einem von ihm entworfenen Plakat für den "steirischen herbst", das
einen urinierenden Mann zeigte. Doch sein Werk ist auch international hoch
geschätzt: So kaufte etwa das New Yorker Museum of Modern Arts eine seiner
Zeichenserien. sp |
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