KOMMENTAR
Geistvoll gekontert
CHRISTA DIETRICH christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225
Preisverleihungen -
solche, bei denen es um Auszeichnungen von großer Bedeutung geht -
haben manchmal einen Beigeschmack von Wehmut, denn oft muss ein
Künstler lange warten, bis ihm auch offiziell Anerkennung zuteil wird.
Mitunter haben sie aber auch etwas Tröstliches. So wie jüngst in
Kärnten. Dem Bildhauer
Cornelius Kolig wurde der Kulturpreis des Landes zugesprochen. Jawohl,
Sie haben es richtig in Erinnerung, es handelt sich dabei um jenen
Kolig, der vor einigen Jahren den Auftrag bekam, jenen Saal
auszugestalten, an dem die Nazis die Fresken abschlugen, die sein
Großvater einst dort anbrachte. Die Freiheitlichen liefen dagegen
Sturm, Kolig wurde zum Schmierer, schlimmer noch, zum "Fäkalkünstler"
ernannt, Unterschriften gegen den Auftrag wurden gesammelt und
Tausenden war es nicht zu peinlich, ihrer Kunst- und
Menschenfeindlichkeit dieserart offen Ausdruck zu verleihen. Nun erhielt Kolig
den höchsten Kärntner Kunstpreis. Und er hat äußerst geistvoll
gekontert, kam mit einer Greifattrappe. Landeshauptmann Haider (nun
BZÖ), sollte nicht in Verlegenheit kommen, ihn berühren zu müssen. Eine
kluge Möglichkeit, Auseinandersetzungen nicht zu scheuen, Distanz zu
wahren und ein Nachdenken zu fördern.
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