Wien (SN-eStro, APA). Täuschte es oder fehlten die Worte "Kunst" und "Kultur" in der Budgetrede, mit der Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) am Donnerstag das Zahlenwerk der Nation offen legte? Obwohl im Vorfeld bereits diverse Szenarien über die Fortschreibung der "Einfriermethode" bis hin zu "minimalen Erhöhungen" kursierten, war die Enttäuschung bei den Direktoren der staatlichen Kunst- und Kulturinstitutionen groß, als die nackte Wahrheit vorlag. "Ich bin enttäuscht", sagten unisono etwa Staatsoperndirektor Ioan Holender und der Direktor des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel.
Seipel fühlt sich von der Kulturpolitik "allein gelassen". Österreich lege "wenig Wert auf das kulturelle Erscheinungsbild", diagnostizierte Seipel im SN-Gespräch mit Hinweis auf Deutschland oder London, wo große Investitionen in Museumsbauten getätigt werden.
Er könne nun die Kunst- und Wunderkammer weiterhin nicht sanieren und aufsperren, er müsse sogar die Ausstellung "Schätze aus dem Vatikan" absagen, die er anlässlich des Papstbesuchs ausrichten wollte. Das Jahr 2007 werde er mit größten Einsparungsmaßnahmen überwinden, danach sehe es düster aus.
Staatsoperndirektor Holender, dem "etwas anderes in Aussicht gestellt worden war" als nun die Realität bietet, nennt das Kulturbudget "Aushungerungspolitik".
Salzburg will nicht mehr"schweigend leiden" Man habe einen Mehrbedarf ab 2007 von zehn Mill. Euro errechnet, jetzt gebe es für 2007 nichts und für 2008 die Hälfte vom Minimalbedarf. "Wie es weitergeht, weiß ich nicht", sagte Holender zu den SN. Er verstehe eine Kulturpolitik nicht, welche die wichtigsten Kultureinrichtungen eines Landes aushungert. "Das ist ein Hohn."
Die Salzburger Festspiele wollen "nicht mehr schweigend leiden", sagte Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler den SN. Sie würden dafür "bestraft", bei den Besuchern Höchstauslastungen zu erzielen und einen "Höchststand an Sponsoren" aufzuweisen. Dringende Baumaßnahmen wie die Sanierung der Dächer des Großen Festspielhauses und der Felsenreitschule könnten nicht in Angriff genommen werden. In den Jahren 2000 bis 2002 wären die Festspielzuschüsse jährlich um zwei Prozent gekürzt , danach die Subventionen eingefroren worden. Dringend erforderlich wäre die Wiedereinführung der Valorisierung der Zuschüsse. Damit hätte man heute statt 12,996 Mill. Euro eigentlich 15,975 Mill. Euro. So aber sei man im Jahr 2007 unter den Stand des Jahres 1998 zurückgefallen, und das als "künstlerischer und ökonomischer Motor" der Region.
Erwartungsgemäß sah man das Kulturbudget und die Konsequenzen im Ministerium für Unterricht, Kunst und Kultur anders. Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) habe aus den Verhandlungen mit Finanzminister Molterer "das Beste herausgeholt, das möglich war" und sei "zufrieden", ließ die Ministerin ausrichten. Im Vergleich von 2006 und 2008 gäbe es insgesamt vier Prozent mehr Budget für Kunst und Kultur. In die Verhandlungen gestartet sei Schmied wie alle Minister mit einer Kürzung von vier Prozent bei den Ermessensausgaben, betonte Schmied-Sprecher Nikolaus Pelinka. Schmied habe ihre Wirtschaftskompetenz eingebracht und sei eine Anhängerin des "budgetär Machbaren".
Anders Georg Springer, Geschäftsführer der Bundestheater-Holding: "Hier wird offenbar eine nicht bedarfsorientierte, gleich machende, zynische Einsparungspolitik fortgesetzt", sagte Springer.





