16.09.2001 19:01:00 MEZ
Fertigteiljugend
Muntean/Rosenblum in der Galerie Georg Kargl

"Slaymobil" hieß 1997 eine Installation des Duos Muntean/Rosenblum. Speziell während der vergangenen drei Jahre, in denen das Duo einen Platz in den obersten Charts der Kunstszene erklomm, filterte es Gesellschaftsphänomene. Muntean/Rosenblums Arbeiten wirken auf unterschiedlichsten Ebenen, bleiben rätselhaft und integrieren Elemente von Film, Mode, Comic, Jugend- und Popkultur, Labelkult.

Alles klingt banal, wenn es zu genau ausgesprochen ist, steht sinngemäß auf einem ihrer Tableaus, die starr vor sich oder leer zum Betrachter hinblickende isolierte Allerweltsjugendliche vor Sofalandschaften oder Tankstellen in blassen Farben abbilden. Nach Fast-Food-Inneneinrichtungen und Fitnessstudios, Errungenschaften der "zivilisierten Welt", sampelt das Künstlerpaar Fertigteilhäuser à la Blaue Lagune. Die Inszenierung spricht für sich. Durch die gelbe Wand mit orangerosa Fensterläden, die sich bis in den eingezogenen Galeriestock zieht, betritt man ein weiteres künstliches Reich: "Lost in the savage wilderness of civil life".

Vor Fassaden genormter Identität posieren auf lebensgroßen, malerischen Fotos überaus nicht "perfekte" oder gestylte Jugendliche, die laut M/R u. a. gewählt werden, da sie noch keine Identität besitzen. Wenn man dabei den "post-poststrukturalistischen Subjektbegriff" bemüht, ist das eine eigene Sache. Schlau setzen die Künstler Eigenzitate ins Foto, in Form von M/R-Motiven auf den T-Shirts der Protagonisten. Ein weiterer Schritt der ziemlich spannenden heimischen Kulturarbeiter. (dok)
(DER STANDARD, Printausgabe vom 17. September 2001)




Quelle: © derStandard.at