Public Netbase präsentiert Interface-Design

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Unter dem Titel "Interface Explorer" stellt die Public Netbase, Wiener Projektbetreiber für Kunst und Neue Medien, neue Projekte vor, die sich mit der Gestaltung von Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen beschäftigen. Dabei wird vor allem auf unkonventionelle Zugänge zu Technologie viel Wert gelegt.

Ob man Radio hört, fernsieht oder im Internet surft, immer besteht eine Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Die Schnittstelle dabei nennt man Interface. Beim Surfen im World Wide Web ist diese Schnittstelle etwa durch das Design des so genannten Web-Browsers an der Benutzeroberfläche des Computers definiert. Die Gestaltung dieser Schnittstelle, etwa die grafische Aufbereitung, beeinflusst nachhaltig die Wahrnehmung der Menschen, wie auch Konrad Becker, Leiter der Public Netbase meint:

"Interfaces sind kognitive Werkzeuge und wir wissen, wie nachhaltig Werkzeuge unsere Zivilisation und unser Denken beeinflusst haben. Daher geht es auch bei Interfaces um Modelle der Weltbetrachtung und -erfahrung. Die Gestaltung von Interfaces hat also eine eminent große Bedeutung, wie die Zukunft in unseren Köpfen gebildet wird."

Profit maximieren

Geht es nach Konrad Becker, dann darf diese Zukunft nicht allein Büro- und Technokraten überantwortet werden. Denn derzeit sind viele Interfaces etwa im täglichen Bürobetrieb hochgradig funktional gestaltet, um in der Arbeitswelt maximale Leistungen zu ermöglichen. Für den englischen Medienkünstler Graham Harwood, Mitglied der Künstlergruppe "Mongrel" sind diese Schnittstellen, etwa in gängigen Computer-Betriebsystemen, zu sehr auf die Logik der Ökonomie ausgerichtet:

"Viele Interfaces sind heute so gestaltet, dass man damit im Vergleich zu früher die Arbeit von mehreren Personen auf einmal erledigen kann. Sie sind nicht freundlich im Umgang mit Menschen, sondern zielen klar darauf ab, den Profit zu maximieren."

Radio via SMS

Dass Interfaces aber auch anders aussehen können, darauf will die Veranstaltungen Interface Explorer mit diversen Projekten hinweisen. Mit viel Witz werden etwa die Grenzen klassischer Internet-Browser gesprengt und neue ästhetischen Standards gesetzt. Zudem kann man durch das Schreiben von E-Mails Steuersignale an einen Roboter senden, der auf einer konventionellen Vinylplatte zu scratchen beginnt.

Auch das Handy erhält einen neuen Verwertungszusammenhang: Es fungiert als Schnittstelle zwischen einer Radiostation und einem potenziellen Programmmacher. Via SMS kann ein Handybesitzer Kurznachrichten an einen Computer schicken, der den Text in eine elektronische Stimme übersetzt und dann als Programmbeitrag ausstrahlt.

"Das ist ein öffentliches Interface", meint Graham Harwood, "bei derartigen Dingen steht eindeutig die spielerische Komponente im Vordergrund. Wir können damit die Leute langweilen oder zum Lachen bringen, in jedem Fall aber neue Formen von Schnittstellen definieren."

Behübscher des digitalen Raumes?

Manchmal kommt es aber auch vor, dass Software-Firmen die Ideen von Künstlern durchaus in ihre industriellen Produkte aufnehmen. Konrad Becker sieht diesbezüglich aber auch Vorbehalte:

"Das Interesse der Industrie, dieses schöpferische Potenzial anzuzapfen gibt es sicher. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass Künstler oft gezwungen werden, als Verschönerer und Behübscher des digitalen Raumes zu dienen, obwohl sie einen weit darüber hinausgehenden Beitrag leisten könnten."

Link: Public Netbase


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