Szenarien

Das MUMOK zeigt eine umfassende Retrospektive des kanadischen Fotokünstlers Jeff Wall.


Jeff Wall, 1946 in Vancouver geboren und dort lebender Fotokünstler, wurde mit fotografischen Szenen bekannt, die er in großformatigen Leuchtkästen präsentiert.

1971 hatte der 25-jährige Wall seine ersten Erfolge als Künstler und Autor. Er war mit einer fotojournalistischen Arbeit "Landscape Manual" in der Ausstellung "Information" im Museum of Modern Art in New York vertreten und schrieb für das Kunstmagazin "Artforum".

Theoretisches Rüstzeug

Dennoch brach er in dem vielversprechenden Moment seine Arbeit ab und beschränkte sich darauf einige Jahre Kunstgeschichte in London, Halifax und Vancouver zu lehren. Damals verfasste er seine Disseration über die "Berliner Dada and the Notion of Context".

Initialzündung

Wall ist ein Künstler, dem die Kunstgeschichte geläufig ist und der sie immer wieder kreativ in seine Arbeit einbezieht. In dem frühen Fotokasten "The Destroyed Room" von 1978, der seinen Abschied von der Konzeptkunst festschrieb, nimmt er Bezug auf Delacroix` "Tod des Sardanapal", das zum Skandalon des Salons 1827/28 in Paris geriet.

Darstellung

In "The Destroyed Room" arrangiert Wall einen wie von einer brutalen Hausdurchsuchung zerstörten Raum. Da quillt aus herausgezogenen Schubladen Wäsche und von einer Tänzerin aus Keramik entwickelt sich eine Diagonale durch das Bild. Sie führt von einer aufgeschlitzten Matratze zu einem umgekippten Stuhl.

Raumgreifendes Objekt

Mit dieser Arbeit eroberte Wall neues künstlerisches Terrain. Seine Schaukästen lassen sich auf zwei unterschiedlichen Ebenen hinterfragen. Als großformatige farbige Leuchtbilder sind es Objekte von architektonischer Qualität. Sie definieren den Raum indem sie die Wand auf der sie montiert sind unterbrechen.

Als reliefartige Fläche stechen sie von der umgebenden Wand mit einer höheren Lichtintensität ab. Die Bildkörper treten also in den Raum und öffnen in der Bildfläche zugleich Ausblicke in die Tiefe fremder Räume.

Eruption

"Milk", 1984 / ©Bild: Jeff Wall

Wall stellt Bildräume dar, wo das Dargestellte oft von Laienschauspieler in Szene gesetzt wird. In "Milk" von 1984 porträtiert er einen sitzenden Mann am Straßenrand, aus dessen Papiertüte eruptiv Milch spritzt. Es geht dabei um den gewaltsamen Akt, der dieser Geste zugrunde liegt.

"Man with a Rifle"

Die Arbeit "Man with a Rifle" aus dem Jahr 2000, vom MUMOK angekauft, thematisiert einen ähnlichen Moment der Gewalt:

"Man with a Rifle", 2000 / ©Bild: Jeff Wall

Ein Mann zielt hinter einem Auto, in Hocke gehend, auf ein nicht vorhandenes Gegenüber. Man vermutet, dass der Mann ein Gewehr in den Händen hält, doch die Szene ist nur vorgetäuscht. Der Shot des Fotografen geht dabei einher mit dem fantasierten Schuss des Protagonisten.

Tipp:

Ausstellung: Jeff Wall, Museum moderner Kunst Wien, 22. März bis 25. Mai.

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