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Edelbert Köb tritt die mumok-Direktion mit neuer Autonomie an, aber ohne Mittel, um neue Weichen zu stellen. |
Mit 1. Jänner geht das mumok, das Museum
moderner Kunst im Wiener MuseumsQuartier, mit Edelbert Köb als neuen
Direktor in die Vollrechtsfähigkeit als wissenschaftliche Anstalt. Die
Frage, ob er mit vollen oder leeren Taschen das Museum in die
Selbständigkeit führen kann, beantwortet Köb so: "mit halbleeren". "Nach
der ersten Bilanz vor zwei Monaten war ich schon irgendwie geknickt, doch
jetzt schaut es schon ein bisschen besser aus", meinte Köb im
APA-Interview zu den Möglichkeiten, mit gedeckeltem Budget ein neues Amt
anzutreten und eine neue Struktur aufzubauen. Nachbesserungen am Gebäude
"Natürlich erwartet man von einer neuen Direktion besondere
Anstrengungen, dass da zum Anfang spektakuläre Dinge gemacht werden,
womöglich dass wir wie Phönix aus der Asche aufsteigen - oder aus dem
Lavagestein", lacht Köb in Anspielung auf das Material des
Museums-Neubaus. "In diesem Kontext schaut es nicht rosig aus." Denn
zunächst müssen noch verschiedene Reparaturen gemacht werden.
"Fertigstellungen" will Köb das genannt wissen und nicht etwa "Umbauten".
"Meiner Erfahrung nach liegen Mängel bei so großen Neubauprojekten
innerhalb der Normalität, Heizung, Klima, Sicherheit in neuen Museen
befinden sich oft monate-, ja jahrelang in der Experimentierphase". Platz für Wechselausstellungen Hauptpunkt der "Fertigstellung" ist die Adaption eines Geschoßes für
Wechselausstellungen. Dazu eignet sich nur das vorletzte Obergeschoß, weil
nur hier die Ausstellungssäle auf beiden Seiten des Gebäudes auf einer
Ebene liegen. Um die nötige räumliche Weite für Ausstellungen zu schaffen,
sollen die Trennwände wieder herausgenommen werden, bzw. durch variable
niedrigere Raumteiler ersetzt werden. Rund 1.100 Quadratmeter werden dann
für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen. Kleinere Sammlungspräsentation Entsprechend kleiner wird dann der Raum für die Museumssammlung, die
Edelbert Köb auf jene Schwerpunkte konzentrieren will, zu denen das Museum
wirklich eine breite und ausführliche Darstellung bieten kann: Pop-Art,
Fluxus und Wiener Aktionismus. "Man kann immer nur Sammlungsteile zeigen
und die Präsentationen öfter wechseln, bei wenig Geld wohl nur ein Mal im
Jahr."
Während in den unteren Ebenen eine wissenschaftliche Darstellung
gezeigt werden soll, wird der große Kuppelsaal sozusagen für
ästhetisch-kulinarische Präsentationen vorbehalten sein. Hier sollen zu
wechselnden, "eher lockeren Themen" Gustostückerln der Sammlung gezeigt
werden, "damit die Besucher einen Einblick gewinnen, wie groß die Sammlung
ist". Kein neuer Sammlungsschwerpunkt Auch beim Ausbau der Sammlung macht sich Köb keine Illusionen: "In der
Relation zu den Mitteln ist klar, dass ich in den fünf Jahren
Vertragsdauer keinen neuen Schwerpunkt mehr zusammenbringe. Ich muss von
dem ausgehen was da ist, und das ist der Wiener Aktionismus, alles andere
ist nicht mehr leistbar. Jedes einzelne Stück Pop-Art, das ich kaufen
könnte, würde ein Drei- oder Vierjahresbudget verschlingen (auch mit den
Zuwendungen der Ludwig Stiftung), "das kann man sich abschminken". Selbst bei Fluxus werde es nur möglich sein, die Sammlung mit
Dokumentationen, Videos, vielleicht ein paar Handzeichnungen zu
bereichern, der Ankauf von Werken sei heute kaum mehr möglich. Beim Wiener
Aktionismus sieht Köb derzeit noch die letzte Gelegenheit, wo noch die
letzten Stücke am Markt sind und wofür Köb mit dem Erwerb von
Quellenmaterial auch ein Archiv aufbauen will, das als Forschungsstelle
dienen soll. Köbs Präferenzen Köbs eigene Vorlieben liegen bei "radikaler Malerei", er persönlich
schätze die "letzten Zuckungen der Malerei". Bei Ankäufen von
Gegenwartskunst denkt er dennoch daran, dass "das im Bereich der medialen
Kunst liegen wird. Künstler, die mit Medien arbeiten, auch Künstler, die
gesellschaftspolitische Inhaltlichkeiten haben." So gilt Köbs persönliches Interesse bei einem Künstler wie Sigmar Polke
"allein schon dem, was er zur materiellen und technischen Entwicklung der
Malerei beigetragen" habe. "Wenn ich aber mit ihm eine Ausstellung mache,
werden wir auch auf Bilder achten, die politische, historische Inhalte
haben, Inhalte, die viele Vermittlungsebenen haben", betont Köb und verrät
auch schon etwas zu seinem Programm, das er erst nach offiziellen
Amtsantritt im Jänner präsentieren will. Neue Organisation Komplett umstrukturiert wurde auch die Organisation. "Ich finde es
psychologisch und arbeitstechnisch wichtig, dass die Menschen
Verantwortung und einen gewissen Entscheidungsspielraum haben und in die
Entscheidungen mit einbezogen sind - das motiviert." Und so wurden neue
Leitungsebenen eingeführt, nicht nur ein Sammlungsleiter bestimmt, sondern
auch Verantwortliche für Sammlungsteile, für Ausstellungen und
Veranstaltungen. Köb selbst hat sich auf Dauer seiner Amtszeit von seiner Professur an
der Akademie für bildende Künste karenzieren lassen, möchte aber im
gesetzlich erlaubten Rahmen weiter Lehrveranstaltungen abhalten. Dass die
neue Vorschrift, nach der Museumsleiter keine Professur ausüben dürfen,
bereits als "Lex Köb" bezeichnet wird, weist er aber zurück. Diese
Verordnung sei nicht auf ihn zugeschnitten worden. Link: mumok | ||||||