Feldkirch (VN-cd) Man legt sich hin und wird zum Mittelpunkt der
Welt, die sich um die eigene Person zu drehen beginnt. So
funktionierte "Moving Earth I" des Vorarlberger Künstlers Marbod
Fritsch, als er das Werk (optisch war es eine von Gras bewachsene
Scheibe) vor einigen Jahren im Park des Bregenzer Künstlerhauses zum
Einsatz brachte. Die Zwischenlagerung hat die Skulptur, die
Bestandteil einer vom Künstlerkollegen Harald Gfader kuratierten
größeren Schau zum Millennium war, nicht überstanden.
Sie einfach neu zu schaffen, erschien Marbod Fritsch nun zu
platt. Während "Moving Earth I" eben nicht mehr existiert, wurde
"Moving Earth II" gestern Mittag in Feldkirch seiner Bestimmung als
Kunstobjekt im öffentlichen Raum übergeben. So wie der Zeichner
Marbod Fritsch in seinen Wandarbeiten Räume schafft, die der
Betrachter zu betreten hat, errichtete er nun eine Scheibe, die den,
der sie betritt, nicht mehr zum scheinbaren Mittelpunkt der Welt
erhebt. "Der Mensch vereint sich mit dem Untergrund und wird damit
selbst zur Form", erklärt Fritsch.
Man liegt im Übrigen nicht falsch, wenn man angesichts des nur
mühsamen Vorankommens auf der nun schräg aufgestellten,
asphaltierten und sich recht schnell drehenden Scheibe an Sisyphos
denkt. Was für die Figur aus der griechischen Sage zur Plage wurde,
entpuppt sich beim Werk von Marbod Fritsch aber als lustvolle
Auseinandersetzung mit sich und der Welt.
Voraussetzen muss man allerdings, dass Passanten sich genau
überlegen, ob sie "Moving Earth II" auch gewachsen sind, bevor sie
die Plattform betreten. Eine Tafel mit entsprechender Warnung wurde
angebracht.
Das Werk befindet sich im Besitz des Landes Vorarlberg und wurde
der Stadt Feldkirch als Leihgabe zur Verfügung gestellt.