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24.02.2006 - Kultur&Medien / Kommentare
Kunstlicht: Tiefer wollen wir nicht mehr
ALMUTH SPIEGLER

N
ennen Sie es altmodisch, aber wer, wenn nicht der Direktor oder die Direktorin eines kunsthistorisch arbeitenden Museums sollte nicht zumindest ein abgeschlossenes Kunstgeschichtestudium vorweisen können? Darüber diskutieren zu müssen, ist fast peinlich. Schuld daran trägt der schwammig formulierte Ausschreibungstext für die Leitung der Österreichischen Galerie, der trotz klarer Museumsordnung nur ein "einschlägiges Studium oder Nachweis vergleichbarer Kenntnisse" verlangt.

Neu ausschreiben! Das fordern jetzt natürlich die Opposition und der Kunsthistoriker-Verband, dessen Vorstand, Künstlerhaus-Geschäftsführer Peter Bogner, sich übrigens ebenfalls (erfolglos) für den Posten beworben hat. Doch das Gefauche muss wohl als bloßes Scheingetöse vor dem am nächsten Mittwoch stattfindenden Stechen zwischen Agnes Husslein und Peter Pakesch gewertet werden. Einmal einen Fehler zuzugeben, davor schaudert es der Regierung wie vor einer Todsünde.

Außerdem wäre es in diesem Falle sowieso müßig, das ganze Karussell noch einmal anzuwerfen, um noch einmal das voraussichtlich gleiche Ergebnis serviert zu bekommen. Also stehen wir lieber gleich zu der gewohnten österreichischen Ausschreibungs-Unkultur und belassen es kostensparend bei der jetzigen Pattstellung Husslein/Pakesch. Die Zeit bis zur Entscheidung kann man sich immerhin mit Spekulationen darüber totschlagen, wer von den beiden wohl bessere Regierungs-Connections hat.

I
st es die ehemalige Rupertinum- Direktorin, die im Wahlkampf 1999 als Sotheby's-Chefin darüber stolperte, bei einem privaten Abendessen FP-Kandidat Thomas Prinzhorn eingeladen zu haben? Die Boeckl-Enkelin, die neben ihrem Salzburger Engagement für Kärnten die Großausstellung "Eremiten" zusammenstellte und aufgrund lokalem Personalmangels den Umbau des Klagenfurter Museums der Moderne betreute ?

Oder gewinnt doch der Ex-Galerist, der neben seinem Job als Intendant des steirischen Landesmuseums noch die Zeit findet, für Nationalratspräsident Andreas Khol das Parlament regelmäßig mit neuer Kunst auszustatten? War der so seltsam formulierte Ausschreibungstext etwa nicht, wie zu Beginn fälschlich vermutet, auf NÖ-Landesmuseumsdirektor Carl Aigner zugeschnitten, sondern immer schon auf Pakesch, der in Graz Architektur studiert hat?

Das ist doch wirklich zu tief. Aber mit diesem Niveau hat man ja bereits immerhin zu leben gelernt. Also wenigstens schnell entscheiden. Damit zu arbeiten begonnen werden kann.

almuth.spiegler@diepresse.com

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