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09.06.2006 - / Kommentare
Kunstlicht: Wahre Liebe wider Willen
ALMUTH SPIEGLER

H
eute beginnt es also, das "Gro ße Rasenstück" (jawohl, Fuß ball, Nürnberg, Dürer, sehr witzig). Sie erwarten sicher, dass auch ich mir hier jetzt etwas Pseudogeistreiches zu Kunst und Fußball abringe, à la "sublime Vorstöße aus der Tiefe des Niemandslands". Vergessen Sie's! Ich finde, Kunst und Fußball haben rein gar nichts Verbindendes.

Im Gegenteil: Kunst und Fußball sind beinharte Konkurrenten, nämlich im Imagekampf um Sponsorgelder - und da gewinnt meist haushoch Letzterer. In jedem Kaff werden dem Fußballverein vom örtlichen Geldinstitut die T-Shirts bedruckt. Das Wechselgeld reicht dann gerade für die Hinterglasmalerei der Gattin des Herrn Bankdirektors.

Die größte Ähnlichkeit zwischen Kunst und Fußball besteht noch in der Nebenrolle der Frau: Am grünen Rasen wie im White Cube darf sie ähnlich selten an den Ball. Interessant, dass es dann gerade eine Malerin ist, die einem beim motivischen Brainstorming am stärksten einschießt: Maria Lassnig, die ihren Körper als Überdribbelte in "Abwehr" (2000) höchst emotional ins Bild rückt. Das geht unter die Haut.

Wie auch, dass gerade diese grandiose Selbstdarstellerin in der gestern eröffneten Frauenbild-Ausstellung im Leopold Museum fehlt. Eine sträfliche Lücke dieser recht naiven Schau. Obwohl Kuratorin Elisabeth Leopold an dieser Stelle für ihre sicher besten Absichten einmal Respekt gezollt werden soll. Ihr sind die diversen Ungerechtigkeiten in der männlich dominierten Kunstgeschichtsschreibung eben erst ein wenig später aufgefallen als anderen. Aber immerhin.

W
illkommen im "Summer of Love", willkommen in den Anfängen der Frauenbewegung - und irgendwo in der Ferne winkt bereits verführerisch Judith Butlers "Unbehagen der Geschlechter" (1989). Rudolf Leopold scheint diese Gefahr bei der feurigen Rede seiner zur "Feministin wider Willen" gereiften Frau entgangen zu sein: Er war während der Pressekonferenz am Podium vor allem mit seinem Handy beschäftigt, ungerührt von ungläubig starrenden Journalisten-Augen und dem eingeschalteten Mikro vor ihm.

Nach dieser Aktion gab er dann noch lässig zu, die von seiner Gattin und "ihrer Assistentin" (Co-Kuratorin Birgit Laback) ausgesuchten Werke, die ihm "zu arg" erschienen, wieder aussortiert zu haben. Worauf ihm seine Frau auch noch beruhigend den Arm tätschelte. Das muss wahre Liebe sein. Oder wahre Contenance. Respekt. Allerdings auch wider Willen.

almuth.spiegler@diepresse.com

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