Der Storch heißt jetzt Ikea
(cai) Wie die mündigen Konsumenten in Zukunft zu einem Baby kommen? Sie stecken die Körperteile zusammen. Moment. Haben das die Liebespaare bisher nicht auch schon so gemacht? Ja, aber die mussten noch ihre eigenen Körperteile fusionieren. Und dann eine neunmonatige "Lieferzeit" abwarten. Das wird bald anders. Mit dem Selbstbaubaby, das am ehesten Sven oder Inga heißt. (Abgabe wahrscheinlich trotzdem nur in haushaltsüblichen Mengen.)
Bloß reaktionäre Fortpflanzer praktizieren dann noch den persönlichen Gen-Austausch. Die Avantgarde bedient sich der Methode "Der Inbusschlüssel", was also keine akrobatisch verschraubte Stellung aus dem aktualisierten Kamasutra ist (Mach mir den Inbusschlüssel, Björn!), sondern den Storch der modernen Familienplanung meint: Ikea. Und dort gilt seit jeher: Zeig mir deinen Inbus und ich lass dich an meine Bjursta (meine Anrichte). In Naomi Devils amüsant böser Horrorvision brüten die werdenden Eltern über einer Montageanleitung und hantieren mit ein paar einschlägigen Portionen Babyspeck.
Galerist Wolfgang Exner horcht eben die Pop-Art (durch deren Adern pinkes Blut fließt) nach hartnäckigen Lebenszeichen ab. Den scheintoten Modelzombie von Maximilian Otte (eine steife "Barbie silicona", Fran-Ken-steins Braut) kann aber wohl nicht einmal mehr ein Tabakrauchklistier (ein uraltes Erweckungsmittel) lebendig machen. Dagegen springen die Augen mit Freuden aus den Höhlen (juchhu!) und hinein ins hyperrealistische Schlaraffenland von Emil Herker. Der stapelt für seine "Hinterglasmalerei" Trinkgläser auf, versteckt dahinter (und daneben) Fressalien und Spirituosen aus aller Herren Supermärkte und ergötzt sich am Brechreiz. Pardon: am Reiz der Lichtbrechung. Und bei Franziska Maderthaner, wo sich die Welt in abstrakte Farbbravour aufzulösen beginnt, pfeift man sowieso freiwillig auf jeglichen Tiefgang. Der Triumph der Oberfläche.
Galerie Exner
(Rauhensteingasse 12)
Pop 07
Bis 26. Februar
Di. bis Fr. 11 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 17 Uhr
Optimismuslastig.
Meteorit im Silberwald
(cai) Der Förster vom Silberwald tät’ da in eine tiefe Depression fallen. Oder zwanghaft Setzlinge kaufen gehen. Denn durch diese tristen, entblätterten Gefilde röhrt der Weltschmerz. Überall niedergemetzelte Botanik und pittoreske Ruinen. Der Meteoriteneffekt? Was da durchgefegt ist, dagegen war Kyrill jedenfalls ein müdes Flohgähnen, das Hüsteln eines asthmatischen Haarföns. Paul Braunsteiner ist anscheinend ein prophetischer Freiluftmaler, der mit der Atemschutzmaske und der Staffelei durch den Weltuntergang lustwandelt und dabei aufpassen muss, dass er nicht in die Pferdeäpfel der apokalyptischen Reittiere hineinsteigt. Andachtsbilder für Endzeitromantiker? Oder für Klimawandel-Sympathisanten, die in den Orkanen und Sintfluten eine gewaltige landschaftsgärtnerische Leistung des abgasverliebten Menschen erkennen? Und dann dieser sentimentale Himmel! Unwiderstehlich wie ein Dackelblick.
Galerie Lang
(Seilerstätte 16)
Paul Braunsteiner
Bis 15. Februar
Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 16 Uhr
Schwärmerisch.
Nur keine Schweißfüße
(cai) Die Teppiche von Franka Lechner profitieren eindeutig davon, dass sie den Füßen nichts zu bieten haben (weil die Fußsohlen keinen Sehnerv besitzen), auch wenn ihre Farben schön kitzeln. Sonst würd’ man auf ihnen ja ganz profan herumtrampeln. So aber huschen nur die Blicke (die obendrein fußschweißlos sind) über die patchworkartigen malerischen Fleckerln. Natürlich, Lechner handhabt die Wollfäden sehr differenziert, ihre zartrhythmischen Papierarbeiten mit der lyrischen Blässe oder den blutvollen Rottönen sind den Bildteppichen trotzdem überlegen.
Galerie Artmark
(Singerstraße 17)
Franka Lechner
Bis 10. Februar 2007
Di. bis Fr. 12 bis 18 Uhr
Sa. 11 bis 14 Uhr
Raffiniert nuanciert.
Mittwoch, 24. Jänner 2007