Ein Heimsieg auswärts
Ausstellung "Heimspiel" bringt vier Vorarlberger ins Kunstmuseum St. Gallen.
ARIANE GRABHER
St. Gallen (VN)
Zugegeben, der Titel klingt etwas provinziell. Doch was die neunte
Auflage jurierten Ostschweizer Kunstschaffens zeigt, die alle drei
Jahre stattfindet, sich zum zweiten Mal "Heimspiel" nennt und zum
zweiten Mal mit Vorarlberger Beteiligung angepfiffen wurde, darf sich
durchaus sehen lassen. Sowohl zuhause als auch auswärts, denn die
Durchmischung von etablierten und jungen Namen sorgt für spannende
Konstellationen. Künstlerisches Schaffen als Heimspiel, die Kunst als
friedlicher Wettbewerb? 4 aus 47 aus 750
Mitnichten, hat es
doch bereits im Vorfeld der Schau, die an den beiden Ausstellungsorten
Kunstmuseum und Neue Kunsthalle zu sehen ist und dem Trend entsprechend
viele Videoarbeiten umfasst, schon Aufregung unter den Ostschweizer
Künstlern gegeben. Von den rund 750
eingereichten Werkvorschlägen sind nach zwei Juryrunden gerade noch 47
übrig geblieben. Das sind weniger als im vergangenen Jahr, was für jene
spricht, die schließlich zum Einsatz gekommen sind. Dass eingebettet
ins Ostschweizer und Liechtensteiner Kunstschaffen mit Marbod Fritsch,
Sarah Schlatter, Gerold Tagwerker und Alexandra Wacker auch vier
Vorarlberger Künstler vertreten sind, zeichnet auch sie aus, doch waren
es vor drei Jahren deren acht. Dieses Weniger ist vielleicht nicht
mehr, aber mindestens gleich viel. Nicht nur, dass sich das Quartett
sehr gut präsentiert und im Vergleich mehr als nur mithalten kann
(soviel Patriotismus sei erlaubt). Denn während
Gerold Tagwerker eine sehr schöne Werkgruppe zeigt, Neues von Alexandra
Wacker zu sehen ist und Marbod Fritsch situations- und ortsbezogen
arbeitet, ist zudem mit Sarah Schlatter (Jahrgang 1982) eine Entdeckung
gemacht worden. Mit Raum und
Realität, aber auch mit dem Verschieben von Wahrnehmungsebenen befasst
sich die Installation " a real state" von Marbod Fritsch. Als
Schriftbild überzieht der Text die gläsernen Windfänge im
Eingangsbereich und schafft eine neue Passage beim Betreten des
Museums. Gedächtnisorte
ProminentplatziertimTreppenaufgang
und im Loungebereich zeigt Gerold Tagwerker drei blinkende Objekte,
modulartig aus handelsüblichen Leuchten zusammengestellt. Während sich
seine Untersuchungen an Bild und Objekt zunehmend auf die Architektur
ausdehnen, richtet Alexandra Wacker ihren Blick zurück. Wieder beim
Porträt gelandet, inszeniert die Künstlerin in ihrer Malerei anhand von
Plattencovern ein Revival von Stars wie Bob Dylan oder Jimi Hendrix.
Unaufgeregt, formal aber sehr geschlossen, kommen die Fotoarbeiten von
Sarah Schlatter daher. Ein Blick auf die Titel belehrt eines Besseren
und fördert eine verschüttete Geschichte zutage: Die Orte, die die
Künstlerin fotografiert hat, sind " Gedächtnisorte" , die während des
Nationalsozialismus in Vorarlberg eine Rolle gespielt haben. Die Ausstellungen
sind im Kunstmuseum St. Gallen und der Neuen Kunsthalle St. Gallen bis
11.Februar zu besichtigen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis
17, Mittwoch, 10 bis 20 Uhr. Alexander Wacker malt nach Plattencovern. (Fotos: ag)
Gerold Tagwerker sorgt für Einblicke.
Sarah Schlatter setzt auf das Gedenken.
Marbod Fritsch gewährt Durchblicke.
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