Wien
(uw/APA). Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder kommt nicht zur
Ruhe. Denn: Schon wieder ist etwas passiert. Wie erst
Donnerstagnachmittag bekannt wurde, drangen vergangenen Dienstag –
einige Tage nach dem Wassereinbruch im Tiefspeicher – 600 Liter Wasser
neben der als Ersatzdepot genutzten Basteihalle ein. „Jetzt“, sagt
Schröder, „ist wirklich Feuer bzw. Wasser am Dach.“
Konkret
handelt es sich um den Raum unterhalb der Stiege Richtung Goethegasse,
in dem die Burghauptmannschaft die Brandschutzzentrale untergebracht
hat. Der Raum ist etwa 70 Meter von Stellen der ersten Wasserschäden
entfernt und die Ursache war laut Burghauptmann Wolfgang Beer eine
andere: nämlich die Verlegung eines Kabels für den Traforaum:
„Wahrscheinlich wurde die Öffnung zur Straße nicht ausreichend
abgedichtet und Regenwasser ist eingetreten.“ Aber das, sagt Schröder,
erklärt nur den Weg des Wassers, nicht woher die 600 Liter plötzlich
kamen, denn so viel habe es zuletzt nicht geregnet: „Offenbar haben
sich auf dem Gelände riesige Seen gebildet“, so der Direktor. Wo oder
warum, konnte man bisher nicht feststellen. Mit der Burghauptmannschaft
sei ausgemacht, weitere Stellen auf der Basteioberfläche zu öffnen und
zu untersuchen, so Schröder.
Gremium soll entscheiden
Glück im Unglück – ebenfalls schon wieder: Kunstwerke waren bei dem neuerlichen Wassereinbruch „nie in Gefahr“, sagt Beer. Und das, obwohl nebenan – bloß 35 cm Betonwand weiter – in der Basteihalle derzeit viele Werke aus dem Speicher lagern. Doch der Wassereintritt habe sich, erklärt der Burghauptmann, unter dem Niveau der Basteihalle ereignet. Trotzdem will Schröder jetzt bis auf wenige Stücke die gesamte Sammlung (fast eine Mio. Werke) außerhalb der Albertina lagern. Die Entscheidung will er nicht allein fällen. Er hat das Kulturministerium um die Einsetzung eines Gremiums gebeten. Relevant für die komplette Auslagerung könnte auch sein, dass eines der hausinternen Depots aus „Sicherheitsmängeln, auf die ich aus Sicherheitsgründen nicht eingehen darf“ (Schröder) nicht genutzt werden kann.
Transport unter Polizeischutz
Das große Ersatzdepot, irgendwo in Wien, steht aber ohnehin bereit.
Von Gutachtern wurde es inzwischen für in Ordnung befunden, bis Ende
Juli sollen die Adaptierungen abgeschlossen sein. Dann werden die
Kunstwerke unter Polizeischutz überstellt. Bis dahin droht laut
Schröder keine akute Schimmelgefahr: Man habe die Luftfeuchtigkeit in
den Lagerräumen derzeit im Griff.
Was aber passiert mit der
Albertina? Die Zeit läuft – nicht nur für die noch ergebnislose
Ursachensuche. Auch der Tiefenspeicher muss instandgesetzt werden.
Dienstag nächster Woche sollen bei einem „Gipfel“ bis zu 18 Fachleute
über Lösungen beraten. Im Raum steht die Errichtung eines zusätzlichen
wasserdichten Dachs im Depot. Wie viel all das – Auslagerung, Sanierung
etc. – kosten wird, will Schröder nicht schätzen. Wer zahlt, sei ihm
letztlich egal: „Es gibt ja auch den Katastrophenfonds des
Wirtschaftsministeriums.“ Sicher sei nur: „Wir müssen auch zurück in
die Albertina – auch wenn wir alle gerade das Gefühl haben hier von
einem Notstand in den anderen zu taumeln.“
Artikel drucken