Ines Doujak/Franz Kapfer

 

 

 

 

Susanne Jäger

 

 

Galerie Hohenlohe & Kalb
Wien
12.12.2001 - 25.1.2002

 

Vor dem abendlichen Hintergrund eines mit Lampions beleuchteten Gartens inszeniert sich Ines Doujak selbst. Mittels eines vergrößerten Kontaktbogens (2000) zeichnet die Künstlerin in einer Abfolge von Einzelfotografien einen kraftvollen Gegenentwurf zu den medialen Klischees gängiger Frauenbilder. Auch Franz Kapfer überprüft im Video »Was den Menschen nicht umbringt, macht ihn stärker« (1999) anhand seiner Person Geschlechter- und Rollenzuschreibungen: Mit absurd überhöhtem physischen Einsatz stellt Kapfer die harte Fronarbeit des Testosteron-Helden »Conan, der Barbar«[1] zu den martialischen Klängen des Film-Soundtracks nach und transformiert den Mythos vom überlebensgroßen Fantasy-Rächer in eine Slapstick-Performance.

Dennoch sind es - trotz grundsätzlicher thematischer Parallelen - vor allem die Unterschiede in den Arbeitsweisen von Doujak und Kapfer, die in der von Roger M. Buergel und Ruth Noack kuratierten Ausstellung ins Auge fallen. Kapfer, Jahrgang 1971, stilisiert sich zum unbestrittenen Mittelpunkt seiner Versuchsanordnungen zu Körperkult und Faschismus, in denen er sich »an die zurecht tabuisierten, weil unendlich fragilen Mythen der Maskulinität«[2] wagt. Doujaks offener, diskursiver Zugang in ihren Untersuchungen gesellschaftlicher Ausgrenzungsmechanismen dagegen manifestiert sich exemplarisch in dem Wandobjekt »Russia is a White Country«[3]. Die Arbeit kreist um das Phänomen des »erfolgreichen« Imports von militant antisemitischen Aussagen des ehemaligen Ku-Klux-Klan-Führers David Duke nach Russland; das modulare Trägermaterial für die assoziative Fotostory bilden simple Schuhschachteln.

Auch in der als subtiles Vexierspiel um Geschlechter- und Identitätskonstruktionen angelegten Diaprojektion (2001), die ein Paar - im Fetischdress beziehungsweise in der traditionellen Kleidung des Ostjudentums - in einem Loop von Annäherung und Trennung zeigt, bricht Doujak festgefahrene Wahrnehmungsmuster auf. Ebenso konstruiert die Künstlerin mit den wie Puzzleteile am Fußboden arrangierten Fotoarbeiten - ein auf Zuggleisen liegender Mann oder ein Messer an einer Frauenbrust - Momentaufnahmen von hoher Ambivalenz zwischen Überraschendem und einem Abgleiten ins Bedrohliche und setzt so übliche Vorstellungen von Normalität außer Kraft.

Wie der Großteil von Kapfers gezeigten Arbeiten bewegt sich auch die kleinformatige Fotoserie »Big Gym« (2000/01) im Spannungsfeld von männlichen Allmachtsphantasien und deren intendierter Dekonstruktion. In die Metamorphose des Künstlers zum klassischen Diskuswurf-Heroen - als Nachstellung der faschistischen Statuen auf dem römischen Sportgelände Foro Italico[4] - ist die Fragilität aktueller Männlichkeitsbilder schon eingeschrieben. Eine Variation dieser Dialektik von Kläglichkeit und Hybris bestimmt auch die Videoarbeit »A. H. wieder da« (1998), in der Kapfer als Wiedergänger Hitlers auftritt: Nach dessen totaler Machtdemonstration mit einer im Kreis dirigierten Spielzeugeisenbahn vollzieht sich seine Verwandlung zum grotesken, um den Berchtesgadener Bahnhof humpelnden Prothesenmonster.

Durch die kompaktere Platzierung der Arbeiten Kapfers und die offenere, als räumliche Paraphrase inszenierte Präsentation von Doujaks Werkauswahl hat das Kuratorenteam Noack/Buergel den beiden Positionen genau Rechnung getragen. Gerade daraus ergibt sich aber möglicherweise auch die Problematik dieser Doppel-Schau: Unberücksichtigt blieben die unterschiedlichen Anforderungen an die Aufmerksamkeit bei der Rezeption der Werkkomplexe. Dass der thematische rote Faden bei Doujak angesichts der so hergestellten Dominanz von Kapfers Beiträgen trotzdem nicht reißt, ist ein weiteres Indiz für die hohe Qualität ihrer Arbeiten.




 

   

 

1 Regie: John Milius, USA 1982; Conan-Darsteller: Arnold Schwarzenegger.

2 Begleittext zur Ausstellung.

3 Die Arbeit entstand anlässlich der Ausstellung »The Subject and Power (the lyrical voice)« im CHA Moskau 2001.

4 Erbaut von Mussolini in Hinblick auf die Abhaltung Olympischer Spiele, die kriegsbedingt nicht stattfanden; Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1960.

 

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