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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
17. Jänner 2005
16:12 MEZ
Mumok-Vertrag: Gehrer zieht Aussage zurück
Vorschlag über Vertragsverlängerung für Köb oder Neuausschreibung wird vom Kuratorium gemacht - Grüne: Köb wird abgesägt, er weil "zu oft und zu deutlich" seine Meinung sagte

Bregenz/Wien - Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) zog am Sonntag eine von ihr im aktuellen "profil" zitierte Aussage zurück, deren zufolge die Position des Direktors des Museums Moderner Kunst "rechtzeitig neu ausgeschrieben" wird. "Ich habe mich da unpräzise ausgedrückt, ich meinte rechtzeitig handeln", sagte ihre Ressortchefin. Der Schluss, dass der Vertrag von Edelbert Köb nicht verlängert wird, könne daher nicht gezogen werden.

Der Vorschlag, ob der bis 2006 laufende Vertrag des derzeitigen Direktors verlängert oder neu ausgeschrieben wird, werde vom zuständigen Kuratorium nach einer Evaluierung getätigt. "Und selbst, wenn der Posten neu ausgeschrieben wird, kann sich Herr Köb ja darum bewerben", meinte Gehrer.

Die Bildungsministerin wird weiters mit den Worten zitiert, das Haus könne "noch mehr aus sich machen". Für 2007 und 2008 dürfte es für die Bundesmuseen außerdem mehr Geld geben: "Wir werden eine Anhebung der Basisabgeltungen brauchen und müssen überlegen, wie die neuen Mittel verteilt werden", betonte Gehrer. So benötige etwa die Albertina mehr Grundbudget.

Mumok verweist nüchtern auf 51 Prozent Besucherplus im Jahr 2004

Auf die hitzige Diskussion um die Neuausschreibung des Direktorenpostens reagierte das Museum slebst mit einer nüchtern gehaltenen Aussendung. 2004 habe das von Edelbert Köb geleitete Mumok ein Besucherplus von 51 Prozent (plus 31,11 Prozent bei den zahlenden Gästen) verbuchen können, hieß es.

Was müsste vor Neuausschreibung passieren

Vor einer etwaigen Neuausschreibung müssen die Ergebnisse der von Gehrer beauftragten Evaluierung der Bundesmuseen bewertet werden und auf Grundlage des Zukunftskonzeptes von Direktor Köb das Kuratorium des Mumok durch Gehrer angehört werden, wurde nun in der Mumok-Aussendung betont.

Das Haus "macht mehr aus sich"

Das Haus "macht mehr aus sich", hält nun das Museum Gehrers Kritik entgegen. Im Mumok habe es "Qualitätssteigerung abseits eines gefälligen Blockbuster-Programms und die sinnvolle Vernetzung von Sammlung und Präsentation" gegeben. Das Museum habe unter Köb eine Ankaufoffensive gestartet, etwa mit dem Erwerb der Sammlung Hahn II, des Archivs der Sammlung Friedrichshof und zahlreicher zusätzlicher Werke des Aktionismus. Und der Kern des Museums, die Sammlung moderner und zeitgenössischer Kunst, habe unter Köb "endlich ein Gesicht erhalten". Köb sehe sich als "Leiter einer wissenschaftlichen Anstalt, deren Sammlungs- und Bildungsauftrag es gegen den kurzlebigen Zeitgeist zu verteidigen gilt".

Kritik von Grünen

Kritik an der Vorgehensweise von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) bei den Bundesmuseen kommt von den Grünen. Die angedeutete Nicht-Verlängerung des Vertrags von Mumok-Chef Edelbert Köb sei abzusehen gewesen, da dieser "zu oft und zu deutlich" seine Meinung zu Planungsfehlern am Mumok-Gebäude sowie "zur völligen Abstinenz der Ministerin bei brennenden Fragen der Museumspolitik" gesagt habe, so der Grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl in einer Aussendung am Sonntag. Dagegen dürfe der "prassende Museumsvogt" Wilfried Seipel, Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), "der bis zum Hals im Sumpf der Skandale steckt", bleiben.

Vorarlberger Grüne sehen Köb "abgesägt"

Die Vorarlberger Grünen werfen Kulturministerin Elisabeth Gehrer (V) autoritären Führungsstil und Versagen vor. "Köb soll abgesägt werden, das ist beschlossene Sache", sagte Kultursprecherin Karin Fritz am Montag. Auch wenn formal das Kuratorium des Museums Moderner Kunst für die Vertragsverlängerung von Köb zuständig sei, habe Gehrer doch "in der Annahme, dass das Kuratorium ihre Personalentscheidung nachvollziehen wird, die Abberufung bereits bekannt gegeben".

Die Kulturministerin versuche, einen kritischen Geist kalt zu stellen. Direktor Köb weise seit langem mit Nachdruck auf die Untätigkeit von Ministerin Gehrer in der Museumspolitik hin.

Secession solidarisiert sich mit Köb: "Ausgezeichnete Museumsarbeit"

Die Künstler der Wiener Secession solidarisierte sich inzwischen mit Köb. Secessions-Präsident Matthias Herrmann appellierte an Gehrer, "die von Direktor Edelbert Köb und seinem Team im MUMOK geleistete ausgezeichnete Museumsarbeit zu unterstützen und eine Verlängerung des Vertrages von Herrn Köb und eine Erhöhung der Subvention für das Museum sicherzustellen." Das "nationale Museum moderner Kunst" soll von Gehrer finanziell derart ausgestattet werden, "dass zukünftige Generationen in gleichem Maße von der heute aktuellen Kunstproduktion profitieren, wie Österreich momentan von vergangenen Kunstepochen profitiert", so Herrmann. (APA)


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