Eine Gruppe schwer bewaffneter Räuber hat sich am
Freitagabend (Ortszeit) den Karneval in Rio de Janeiro zu Nutze gemacht
und vier wertvolle Kunstwerke aus einem Museum gestohlen. Anschließend
tauchten die Räuber unerkannt in einer großen Samba-Parade unter. Wie
Medien unter Berufung auf Sprecher des Museums Chacara do Céu berichteten,
wurden Gemälde von Pablo Picasso, Henri Matisse, Salvador Dali und Claude
Monet geraubt.
Der Wert der Bilder wurde nicht genannt. "Ich würde mich nicht wundern,
wenn der Gesamtwert um die 50 Millionen Dollar (40 Mio Euro) liegt", sagte
der bekannte Kunstkenner Luiz Camillo Osorio.
Die zuständige Kommissarin Isabelle Vasconcellos versicherte am
Sonntag, die Bilder seien noch in Rio. "Die Polizei ist überall in
Alarmbereitschaft, auf Straßen, Höfen und Flughäfen. Wir sind zu 100
Prozent sicher, dass die Werke noch in der Stadt sind." Die Polizei
veröffentlichte Phantombilder von zwei Verdächtigen. Es handelt sich um
junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Das erhöhte für die Polizei den
Verdacht, dass sie im Auftrag gehandelt haben. Über Interpol arbeiten die
Behörden in dem Fall mittlerweile mit 182 Ländern zusammen, hieß es.
Die vier Einbrecher waren den Angaben zufolge mit Maschinengewehren und
einer Handgranate bewaffnet das Museum eingedrungen. Zwei Wachleute wurden
niedergeschlagen. Außerdem wurden mindestens fünf Touristen aus Australien
und Neuseeland überwältigt und als Geiseln genommen. Die Räuber zwangen
die Angestellten nach Angaben der Direktorin, das Alarmsystem und die
Überwachungskameras auszuschalten. Dann seien sie in einer
Karnevalsparade, die am Museum in Rios Künstlerviertel Santa Teresa
vorbeizog, verschwunden.
Bei den geraubten Bildern handelt es sich um "Der Tanz" von Picasso,
"Le Jardin de Luxembourg" von Matisse, "Zwei Balkone" von Dali und
"Marine" von Monet. Außerdem sei eine sehr seltene Ausgabe des Buchs
"Stiere" von Picasso entwendet worden. "Die Diebe waren Kenner, sie haben
gezielt die besten Stücke unseres Museums herausgepickt", sagte
Museumsdirektorin Vera de Alencar.
Die Werke seien international derart bekannt, dass es den Verbrechern
äußerst schwer fallen dürfte, die Bilder an Sammler zu verkaufen. "Das
Dali-Bild zum Beispiel ist das einzige des Künstlers in einer öffentlichen
Sammlung Lateinamerikas. Wir schicken es immer für Sonderausstellungen um
die halbe Welt", meinte de Alencar.
Kunstkenner Osorio vermutete eine Aktion von Kunst-Entführern. "Die
Bilder kann man nur schwer verkaufen. Entweder war das ein Verrückter mit
tollem Kunstgeschmack oder aber, und daran glaube ich fest, eine Gruppe
von Entführern, die schon bald ein Lösegeld für die Bilder fordern
werden."
Kulturminister Gilberto Gil und Justizminister Marcio Thomas Bastos
versetzten die Bundespolizei in höchste Alarmbereitschaft. Die Behörden
vermuten, dass die Aktion von einer internationalen Kunsträuberbande
geplant wurde.
Sonntag, 26. Februar
2006