Am Ende einer Serie von Ausstellungen, die sich
dem Sammeln verschrieben hatte, folgt nun die eigene Leistungsschau über
alle Geschoße des Mumok. Kein kleiner Anspruch, der jedoch auch
demonstrieren soll, dass zu wenig Platz für die neueste Kunst vorhanden
ist. Direktor Edelbert Köb liebäugelt mit der Expansion des Museums in die
Rinderhallen St. Marx. Die Idee wird von Bund und Land unterstützt und
damit durchführbar – wäre da nicht eine ausgelagerte
Stadterweiterungsgesellschaft, die dort ein Oldtimermuseum plant und
nichts von einer Kooperation hören will. Schade für die Museumsstadt Wien,
die ähnlich wie Basel ein Schaulager mit neuen Ausstellungsflächen
bekäme.
Vier Kuratoren zeichnen für die Ausstellung der Neuankäufe seit 2002
verantwortlich: der Direktor selbst, aus dem Haus zudem Achim Hochdörfer
und Matthias Michalka. Christian Kravagna ist Berater für die
außerwestliche Szene mit Fotografie aus Südafrika, Japan und China. Dazu
findet am 23. und 24. Juni auch ein Symposium statt.
Der neue Schwerpunkt in Richtung "Fotografie, Film, Video heute" wurde
bereits unter Direktor Köb 2003 in die Ausstellungspolitik integriert, der
Übertitel "Why Pictures Now" stammt von einer Arbeit Louise Lawlers, die
ebenso inhaltlich Akzente setzt.
Gleich im Eingangsbereich ist mit zwei Fotos Thomas Struths zur
"Audience"-Serie die institutionskritische Richtung angelegt.
Wahrnehmungsfragen wie die Analyse medialer Bilder unseres Alltags treffen
auf gesellschaftliche Bezüge des Einzelnen: Kulturelle Identität und
Nachdenken über die Funktion des Museums passieren im Publikum. Manchmal
ist dieser intellektuelle Ansatz der Kuratoren für die Allgemeinheit wohl
zu streng kunsthistorisch angelegt.
Pathosformeln eines Jeff Wall oder James Coleman werden herrlich von
Künstlern wie Anna und Bernhard Blume oder Matthias Herrmann
konterkariert, wie auch von doppelten Brüchen der "unscharfen Frauen" nach
pornografischem Material von Eva Schlegel. Nan Goldin, Leo Kandl, Lisl
Ponger oder Nobuyoshi Araki kombinieren soziale Szenen mit
dokumentarischer Realität – nur Dokument sind die Industriearchäologien
von Bernd und Hilla Becher. Ein letzter Schwerpunkt verweist daneben auf
Modelle, Architekturen, Design und innerbildliche Struktursuche, etwa von
Lois Renner, Thomas Demand oder Roman Ondak.
In der Schau können leider nicht alle 400 Ankäufe gezeigt werden: zur
Unterstützung durch die Sammlung Ludwig kamen Schenkungen, Dauerleihgaben
des ehemaligen Volpinums und die eigene Abteilung einer Telekom Austria
Mediensammlung.
Mumok Ebenen 3,4,6,7,8
Bis 1. Oktober
Eine Flut von Bildern.
Samstag, 10. Juni
2006