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Kunstberichte

Massagesalon und Teppich-Wohnung

TB A 21: Die neue Ausstellung "This is not for you" zeigt Skulpturen zwischen Design und Konzeptkunst
Illustration
- Deine Skulptur, das unbekannte Wesen: „Bunny Gets Snookered #3“ von Sarah Lucas vermittelt im T-B A21 eigenwillige Erotik.  Foto: Sadie Coles HQ, London

Deine Skulptur, das unbekannte Wesen: „Bunny Gets Snookered #3“ von Sarah Lucas vermittelt im T-B A21 eigenwillige Erotik. Foto: Sadie Coles HQ, London

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

"This is not for you" nennt die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Mission ihre Ausstellung zur Skulptur nach einer Arbeit von Monica Bonvicini. Die Präsentationsräume für die Auftragsarbeiten oder Koproduktionen umfassen nun die ganze Etage in der Himmelpfortgasse.

Bonvicinis angesprochene Lichtskulptur ist allerdings im Hof montiert, gegenüber vom Eingang hat die chinesische Künstlerin Chen Qiulin einen Frisör- und Massageladen eingebaut. Was wie ein Geschäft wirkt, ist ein Erinnerungsraum an ihr Heimatdorf, das überflutet wurde. Kommentarlos wird etwas scheinbar Unbedeutendes gerettet, doch der Kontext liegt auf der Ohnmacht gegenüber einem totalitären Staat: eine starke Aussage.

Skulptur beschränkt sich nicht mehr auf Objekte oder Figuren, auf Architektur-Zutaten. Der Begriff ist zwischen Kunst und Wissenschaften dehnbar, Design kann integriert sein, vor allem ist das kritische Experiment mit dem Raum weiter von Bedeutung. Dabei spielen die Österreicher Heimo Zobernig und Gerwald Rockenschaub mit ihrem konzeptuellen Ansatz immer noch eine wichtige Rolle.

Teppich als Wohnraum

Zobernig verwendet Möbel als Zwitter zwischen Gebrauchs- und Ausstellungsobjekt. Sein grafisches Konzept für den Folder wird noch ergänzt durch die Entscheidung für die Farbe Violett für den Großteil der Räume. Kinetismus neuer Prägung bringt die mechanisch bewegte Metallkugel "Reflecting Object" von Jeppe Hein.

Minimal und doch von starker Wirkung ist auch der Paillettenteppich von Olaf Nicolai, der den "Lebensraum" eines einstigen Sowjetbürgers demarkiert. Lenin hielt acht Quadratmeter Wohnfläche für ausreichend – ein Blick zurück in eine fragwürdige Utopie, Realpolitik und Konsumdefinition gleich inbegriffen. Ikonischer, aber nicht minder kritisch, ist das textile Tor "Small Gate" ohne Heiligtum dahinter von Do-Ho Suh aus Süd-Korea.

Die erotische Konnotation von Objekten im Fall von Sarah Lucas’ schlaffer Bunny-Figur ohne Oberkörper in grünen Strümpfen vermittelt eine ganz andere Wirkung als die von der vergangenen Schau bereits bekannte Installation mit weichen Objekten des Brasilianers Ernesto Neto.

Die psychologische Struktur in den unheimlichen wie witzigen Werken von Michael Elmgreen und Ingar Dragset verunsichert und fasziniert: Hier blickt ein hyperrealistischer Kopf durch das Schlüsselloch einer weiß gestrichenen Metalltür auf die Besucher, dort führt eine demolierte Stiege zu einem nicht benützbaren Notausgang. Wie in den Werken von Eva Rothschild und Rachel Selekmans ist die Erinnerung an Sigmund Freud wohl fast allgegenwärtig.

This is not for you.

Diskurse der Skulptur

Bis 30. März 2007

T-B A 21

1., Himmelpfortgasse 13

Denkräume.

Mittwoch, 22. November 2006


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