"This is not for you" nennt die
Thyssen-Bornemisza Art Contemporary Mission ihre Ausstellung zur
Skulptur nach einer Arbeit von Monica Bonvicini. Die Präsentationsräume
für die Auftragsarbeiten oder Koproduktionen umfassen nun die ganze
Etage in der Himmelpfortgasse.
Bonvicinis angesprochene Lichtskulptur ist
allerdings im Hof montiert, gegenüber vom Eingang hat die chinesische
Künstlerin Chen Qiulin einen Frisör- und Massageladen eingebaut. Was
wie ein Geschäft wirkt, ist ein Erinnerungsraum an ihr Heimatdorf, das
überflutet wurde. Kommentarlos wird etwas scheinbar Unbedeutendes
gerettet, doch der Kontext liegt auf der Ohnmacht gegenüber einem
totalitären Staat: eine starke Aussage.
Skulptur beschränkt sich nicht mehr auf Objekte oder Figuren, auf
Architektur-Zutaten. Der Begriff ist zwischen Kunst und Wissenschaften
dehnbar, Design kann integriert sein, vor allem ist das kritische
Experiment mit dem Raum weiter von Bedeutung. Dabei spielen die
Österreicher Heimo Zobernig und Gerwald Rockenschaub mit ihrem
konzeptuellen Ansatz immer noch eine wichtige Rolle.
Teppich als Wohnraum
Zobernig verwendet Möbel als Zwitter zwischen Gebrauchs- und
Ausstellungsobjekt. Sein grafisches Konzept für den Folder wird noch
ergänzt durch die Entscheidung für die Farbe Violett für den Großteil
der Räume. Kinetismus neuer Prägung bringt die mechanisch bewegte
Metallkugel "Reflecting Object" von Jeppe Hein.
Minimal und doch von starker Wirkung ist auch der Paillettenteppich
von Olaf Nicolai, der den "Lebensraum" eines einstigen Sowjetbürgers
demarkiert. Lenin hielt acht Quadratmeter Wohnfläche für ausreichend –
ein Blick zurück in eine fragwürdige Utopie, Realpolitik und
Konsumdefinition gleich inbegriffen. Ikonischer, aber nicht minder
kritisch, ist das textile Tor "Small Gate" ohne Heiligtum dahinter von
Do-Ho Suh aus Süd-Korea.
Die erotische Konnotation von Objekten im Fall von Sarah Lucas’
schlaffer Bunny-Figur ohne Oberkörper in grünen Strümpfen vermittelt
eine ganz andere Wirkung als die von der vergangenen Schau bereits
bekannte Installation mit weichen Objekten des Brasilianers Ernesto
Neto.
Die psychologische Struktur in den unheimlichen wie witzigen Werken
von Michael Elmgreen und Ingar Dragset verunsichert und fasziniert:
Hier blickt ein hyperrealistischer Kopf durch das Schlüsselloch einer
weiß gestrichenen Metalltür auf die Besucher, dort führt eine
demolierte Stiege zu einem nicht benützbaren Notausgang. Wie in den
Werken von Eva Rothschild und Rachel Selekmans ist die Erinnerung an
Sigmund Freud wohl fast allgegenwärtig.
This is not for you.
Diskurse der Skulptur
Bis 30. März 2007
T-B A 21
1., Himmelpfortgasse 13
Denkräume.
Mittwoch, 22. November 2006