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Kunstberichte

Ausstellung

Zu Unrecht vergessene Künstlerinnen

Verschlungen: Nagys „Komposition“.  Foto: Szabolcs Piskolti

Verschlungen: Nagys „Komposition“. Foto: Szabolcs Piskolti

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Sie sollte im Restitutionsstreit um das Leopold Museum nicht untergehen: Die Ausstellung "Zwei Wiener Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Ernestine Rotter-Peters und Éva Nagy" führt beispielhaft vor, dass es immer noch entdeckenswerte Nachlässe in Wien gibt. Da der Kunstmarkt Frauen bis in die 70er Jahre ignoriert hat, ist da viel Qualitätsvolles ans Licht zu bringen.

Kurator Michael Fuhr verortet die Anfänge von Rotter-Peters (1899-1984) im Umfeld der Secession, wobei die expressive Seite eines Egon Schiele in ihren vielen Stadtlandschaften als stärkster Einfluss sichtbar wird. Dabei zeigt sie schon früh eine starke Neigung zum Grafischen, wobei Märchensujets vorherrschen – selbst esoterisch angehauchte Visionsbilder führen aber nie gänzlich ins Gegenstandslose.

Anregungen kamen aus "naiven" Elementen und der Lehrtätigkeit der Künstlerin an Schulen und Universitäten. Diese musste sie 1938 bis 1945 zugunsten ihres Mannes aufgeben, blieb freischaffend und entwickelte ausgeklügelte grafische Techniken. Aus der Nachkriegszeit ist sie – im Umfeld von Franz Masereels Verein der Holzschneidetechniken oder Gruppen wie Xylon Österreich – nicht wegzudenken. Trotz vieler Auszeichnungen verliert sich ihre Spur bald nach ihrem Tod.

Nagys Sinnbefragung

Nagy (1921-2003) kam erst 1957, nach traumatischen Fluchterlebnissen, von Rumänien über Ungarn mit ihrem Sohn nach Wien. Sie hatte schon eine akademische Ausbildung in Budapest absolviert, als sie Schülerin bei Albert Paris Gütersloh an der Akademie der bildenden Künste wurde. Nagys Kunst zeichnet sich durch eine große und sehr frühe Experimentierfreudigkeit zwischen Abstraktion und Gegenstand aus – lange bevor die Postmoderne diesen Wechsel propagierte. Auch bei ihr ist das grafische Element für neue Flächenordungen, Perspektiven und kubische Strukturen wesentlich.

In ihren Selbstbildnissen zeigt sie sich nachdenklich, fast schwermütig. Psychische Grenzgänge und ein starkes Selbstbewusstsein halten einander aber auch in anderen Kompositionen die Waage; oft herrscht eine ernste, aber auch lyrische Grundstimmung mit verschlungenen Linien und überlagerten Strukturen. Angst, Gewalt und die Fremdbestimmung ihres Lebensweges bis 1957 haben ihr Schaffen auch zur Sinnbefragung des Lebens gemacht. Das lässt sich im Werk der – trotz internationaler Erfolge – bis zuletzt sensiblen Künstlerin nicht verleugnen.

Ernestine Rotter-Peters,

Éva Nagy

Leopold Museum

Bis 27. April

Freitag, 21. März 2008

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