Manfred Bockelmann: Asche gegen das Vergessen
Unvergänglich schön? Manfred Bockelmann ist mehr als nur ein Maler des schönen Augenblicks. Dies beweisen Ausstellungen quer über das Land und vor allem sein aktuelles Holocaust-Projekt.

Foto © KKanfred Bockelmann (68) bei der Arbeit in seinem Atelier am Magdalensberg
Manchmal komm ich mir so klein vor/Mit meinen großen Tönen./Die im kleinsten Wind wie blauer Dunst verweh'n./ Und so etwas wie Eifersucht beginnt in mir zu brennen./Wenn ich dann seine Bilder seh'/, so unvergänglich schön.
Diese Anfangsworte aus Udo Jürgens Liebeserklärung an seinen kleinen Bruder waren für diesen Segen und Bürde zugleich. Sie machten Manfred Bockelmann mit einem Schlag(er) zum berühmtesten malenden Bruder der Musikgeschichte und verhinderten so einen unvoreingenommenen Blick auf den Künstler, der 1977, als das Lied herauskam, längst selber ein Hit war. Zumindest für zahlreiche Sammler.
Doch der gebürtige Klagenfurter hat seiner Prominenz getrotzt und sich mit Kreativität und Fleiß einen erfolgreichen Weg aus der Schlagerseligkeit gebahnt. Ironische Anmerkung des Malerbruders: "Wenn ich damals auch noch den griechischen Wein gemalt hätte, wäre es um mich geschehen gewesen".
Die aktuelle Bockelmania, die rund um die Verfilmung des Udo- Jürgens-Romans "Der Mann mit dem Fagott" ausgebrochen ist, ist dennoch nicht ganz spurlos an ihm vorübergegangen. Erst dieser Tage wurde im Wiener Leopold-Museum ein Filmporträt über den 68-Jährigen präsentiert, das letzten Sonntag mehr als 65.000 ORF-Kunden an den Fernseher fesselte. Es zeigte einen Künstler von schier unerschöpflicher Schaffenskraft, der mittlerweile in fast allen Medien zu Hause ist: nicht nur in seiner "Malerei der Stille", zu der er sich während eines Afrika-Aufenthaltes inspirieren ließ, sondern auch in der Audiovision, Buchkunst oder Bildhauerei.
Als Fotograf begleitete er einst Friedensreich Hundertwasser auf einem Schiffskutter durch die Adria und machte daraus mit "Hundertwasser - Regentag" eines der erfolgreichsten Kunstbücher überhaupt. In Schloss Ebenau im Rosental zeigt man derzeit neben seiner Malerei auch Holzskulpturen, die sowohl die klassische Bildhauerei als auch die "Land Art" spielerisch weiterentwickeln. Kohlezeichnungen auf Leinwand geben wiederum in der Wiener Galerie Frey Einblick in das grafische Können des Absolventen der Grazer Kunstgewerbeschule. Gleichzeitig war sich Manfred Bockelmann nie zu schade, auch als Gebrauchsgrafiker zu arbeiten, etwa für diverse Titelbilder der "Kleinen Zeitung". Dazu kommen wunderbare Fotobände, wie jener erst kürzlich erschienene über den heimatlichen Wörthersee.
Auf seinen fotografischen Streifzügen sowie in seinen Ateliers in Kärnten, Wien und München sucht der begeisterte Magdalensberger stets die Schönheit in den kleinen Dingen, sei es in einer Bodenmarkierung am Straßenrand, in einer Muschel, einer Baumwurzel oder in bunten Lederresten der Klagenfurter Armbandfabrik Hirsch, wo der Künstler heute Abend eine Fotoausstellung eröffnet. Das einst zufällig entdeckte Motiv eines gestreiften Bademantels ist übrigens keine Hommage an den berühmteren Bruder, sondern markiert einen stilistischen Wendepunkt in seinem Schaffen: vom Maler harmonisch-abstrakter Landschaftsbilder zum figurativen Zeichner und Chronisten des Alltags.
Letzteres gilt vor allem für sein jüngstes Projekt, das zugleich sein persönlichstes wurde, weil es ihn aufs Engste mit den Erfahrungen seiner Familie während der Nazi-Diktatur verbindet.
Beklemmende Rückschau
Zwei Jahre vor Kriegsende zur Welt gekommen, könnte sich Manfred Bockelmann wie viele seiner Generation auf die Gnade der späten Geburt berufen und die Vergangenheit ruhen lassen. Und doch stellte er sich im Vorfeld seines 70. Geburtstags die quälende Frage: Was wäre wohl aus jenen gleichaltrigen Kindern geworden, die in KZs und Euthanasieanstalten ihrer Herkunft oder Behinderung wegen getötet wurden?
Das Ergebnis dieser herausfordernden Selbstbefragung sind großformatige Bilder, auf denen Bockelmann bislang 30 NS-Opfern wieder ein Gesicht gegeben hat. Und ein Stück von ihrer Würde als Mensch. Er forschte dafür in Archiven, besorgte sich Fotografien der Verstorbenen und übertrug diese in hunderten Stunden geduldigen Zeichnens mittels Kohle auf weißes Leinen.
Für den Künstler ist "Asche auf Leinwand" längst zum Sisyphus-Projekt geworden, das ihn bis ans Lebensende begleiten wird. Rund um seinen 70er will er es erstmals öffentlich präsentieren und einer Holocaust-Einrichtung zum Geschenk machen.
Das Ziel seiner Kunst, nämlich Bleibendes zu hinterlassen, geht mit seinem jüngsten Werk gleichsam doppelt in Erfüllung. "Meine Bilder sollen die Nazi-Opfer vor dem Vergessen bewahren. Denn Kunstwerke, da gibt es doch eine gewisse Hemmung, zerstört man nicht so leicht", ist der Humanist aus Ottmanach überzeugt.
Features
FAKTEN
Die Firma Hirsch in Klagenfurt (Hirschstr. 5) zeigt im Rahmen von "Kunst am Arbeitsplatz" Fotos von Manfred Bockelmann. Eröffnung: heute, 18.30 Uhr
Die Galerie Frey in Wien (Giuckg. 3) präsentiert noch bis 5. 11. die Ausstellung "Kohle auf Leinwand". www.galerie-frey.com
Im Schloss Ebenau in Weizelsdorf (Rosental) ist der Künstler mit Bildern und Skulpturen vertreten. www.galerie-walker.at
Das von Helga Suppan gestaltete ORF-Porträt "Sammler der Augenblicke" wird am 27. 11. um 18.30 Uhr auf 3sat wiederholt















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1 Kommentar
Kommentar erstellenUdo Jürgens
nach dem Sehen des Zweiteilers "Der Mann mit dem Fagott" habe ich verstanden, warum Udo Jürgens Jörg Haider und seinen Freunden NICHT auf den Leim gegangen ist !!!
Sehr zum Leidwesen von Jörg Haider hat sich Udo Jürgens NIE für den Jörgi Hype erwärmt !!!