VN Mo, 19.11.2001

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Viele Käsesorten und hektische Leute

Dornbirn und seine neuen Einwohner

Dornbirn (VN-cd) Nachdem sich Dornbirn bzw. der "Kunst Raum Dornbirn" mit seinen "Sichtsitzen" nicht nur im positiven Sinn ins Gerede gebracht hat, erfahren die im Stadtraum verteilten und (erst im zweiten Anlauf) besetzbaren Skulpturen nun in einer Fotoausstellung zum 100-Jahr-Jubiläum der Stadt eine großartige Rehabilitation. Zu danken ist das dem Fotografen Herbert Neuner.

Der hat nämlich nicht einfach bekannte und weniger bekannte Dornbirner fotografiert und diese Porträts - wie die Projektkollegen Lindmayer und Lampelmayer - mit Hintergrundmotiven und Aufnahmeperspektiven variiert, er hat ganz schön aufwändige Erkundungen betrieben. So sollten neue Einwohner (und damit ist nicht nur die junge Generation gemeint) auf einem dieser Sichtsitze Platz nehmen, sich ablichten lassen und in wenigen Sätzen kundtut, was das Besondere an Dornbirn ist und wie man hier so lebt.

Nicht der Gag (à la Jägermeister-Werbung) steht im Vordergrund, Körperhaltung und Aussage vermitteln Authentizität, Wahrheit, Ernsthaftigkeit und dennoch Spontanität. Wenn da etwa eine lässig entspannt auf dem Sichtsitz liegende Textilarbeiterin aus der Dominikanischen Republik (exakt in dieser Reihenfolge) festhält, dass sie in Dornbirn erstmals mit Wurstnudeln, vielen Käsesorten und hohen Müllgebühren konfrontiert wurde, hat man Freundschaft geschlossen. Nicht weil hier von vielen das kritisiert wird (strikte Ladenschlusszeiten, schlechter Service, hektische Leute), was einem selbst stört, oder das gepriesen wird, womit viele Vorarlberger gern hausieren (gute Luft etc.), sondern weil das alles so unverblümt direkt kommt. Ohne Bitterkeit, wenn es um Beanstandungen und Enttäuschungen geht, mit Freude, wenn etwas gefällt. Fazit: Seien wir froh, dass die kleine Dornbirner Welt durch diese Einwohner etwas bunter, der Alltag etwas lockerer geworden ist.

Dornbirnerin aus Südkorea: "Hier muss man warten, selbst wenn man Geld hat." (Foto: Herbert Neuner)

Die Ausstellung "Mäser, Özcelik & Diem" ist bis 16. Dezember im Kunst Raum Dornbirn zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag von 16 bis 19 Uhr, sonn- und feiertags 10 bis 12 und 16 bis 19 Uhr.




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