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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
22.03.2004
15:21 MEZ
Foto: APA/Artinger
"Es ist ja entsetzlich langweilig, dem zu Ehrenden sein eigenes Leben vorzulesen", erklärte Bürgermeister Häupl in der Laudatio auf Hans Staudacher.

Seine Bilder sind so "optimistisch, freundlich, fröhlich" wie er selbst
Ehrenzeichen der Stadt Wien für den Begründer der "Informellen Malerei" Hans Staudacher

Wien - Der Kärntner Maler Hans Staudacher (81) erhielt heute, Montag, im Wiener Rathaus das "Goldene Ehrenzeichen der Stadt Wien" von Bürgermeister Michael Häupl (S) überreicht: "Seine Bilder sind so wie er ist, ein optimistischer, freundlicher, fröhlicher Mensch". Unter den Gratulanten befanden sich Peter Baum, Direktor des Linzer Lentos-Museums, Edelbert Köb, Direktor des Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Agnes Essl, und der ehemalige Bundesminister Rudolf Streicher.

Als nicht-akademischer Maler hatt er es "in der dünkelhaften Wiener Kunstszene" nicht leicht

Auf Staudachers Vita wollte Häupl nicht allzu ausführlich eingehen: "Es ist ja entsetzlich langweilig, dem zu Ehrenden sein eigenes Leben vorzulesen. Und diese dürren Worte aus dem Internet verraten gar nichts über einen Künstler". Hervorheben wollte der Bürgermeister aber den Umstand, dass Staudacher "als Arbeiterbub" geboren wurde, und es als nicht-akademischer Maler "in der dünkelhaften Wiener Kunstszene" zunächst nicht leicht gehabt hatte.

Erinnern wollte Häupl auch an die Jahre, als der Künstler Staudacher gezwungen war, sich und seine Familie durch diverse Nebenarbeiten "über Wasser zu halten", etwa in einer Teppichreinigung in Ottakring. Trotzdem habe er in Staudacher einen ungewöhnlich optimistischen und offenherzigen Menschen kennen und schätzen gelernt, für dessen Bilder er "große Dankbarkeit" empfinde.

Dankbarkeit auch umgekehrt: Häupl habe sich bei jeder "Rauferei" um ein Denkmal "dazwischen geworfen"

Die Dankbarkeit erwiderte Staudacher: "Den Häupl schätze ich deshalb so, weil er, wenn immer irgendwo eine Rauferei bei diesem oder jenem Denkmal war, er sich stets dazwischen geworfen hat". Auch den anderen Anwesenden dankte der Maler, etwa dem ehemaligen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten, Rudolf Streicher: "Du bist zwar damals nicht Präsident geworden, obwohl wir schon am Vorabend gefeiert haben, erinnerst dich?"

1956 Österreichs Vertreter auf der Biennale von Venedig

Staudacher wurde am 14. Jänner 1923 in St. Urban am Ossiachersee geboren. Aufgewachsen in bescheidenen Verhältnissen, begann Staudacher als Autodidakt mit Zeichnungen, Landschaftsaquarellen und Porträts. 1950 übersiedelte er nach Wien und beschäftigte sich mit den Arbeiten von Kubin, Schiele und Klimt. 1956 vertrat er Österreich auf der 28. Biennale von Venedig. Staudacher, der auch Mitglied der Wiener Secession, des Forums Stadtpark Graz und des Kunstvereins Kärnten ist, gilt als Begründer der "Informellen Malerei" in Österreich.

Seine Arbeiten waren neben vielen Ausstellungen in Österreich auch u.a. in Paris, auf der Biennale Sao Paolo (1975), Köln, Zürich, München und Prag zu sehen. Werke von Staudacher befinden sich heute u.a. in der Graphischen Sammlung Albertina, im Museum of Art in Cincinnati, sowie in zahlreichen anderen Sammlungen.

Staudacher erhielt u.a. den Hauptpreis auf der Biennale Tokio 1965, und den Kulturpreis des Landes Kärnten. Weiters die Silbermedaille für Verdienste der Stadt Wien, und den Würdigungspreis für Malerei der Stadt Wien. (APA)


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