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Soros Center for Contemporary
Art Almaty 20.9.2000 - 28.9.2000
Die wie ein Festival angelegte Jahresausstellung
des kasachischen Soros Center for Contemporary Art (SCCA) in Almaty
war das größte kulturelle Ereignis dieses Herbstes in Zentralasien
und bot eine gute Gelegenheit, sich mit der Kunst in dieser Region
vertraut zu machen; und mit der einer Republik, von der mit Recht
behauptet werden kann, dass sie schon in der Sowjetunion eine der
»unzugänglichsten« gewesen ist.
Die Schau präsentierte
rezente Video-, Medien- und Fotokunst, aber auch Installationen von
über 60 KünstlerInnen aus verschiedenen Ländern Ost- und
Zentraleuropas sowie Asiens. Die größten Ausstellungsflächen in
einer sowjet-modernistischen Halle im Messepark der wirtschaftlich
schwer angeschlagenen 1,5-Millionen-Metropole wurde dabei für die
lokalen KünstlerInnen zur Verfügung gestellt.
Auf den ersten
Blick erschienen Teile dieser Produktion durchaus »vertraut« zu
sein. Wo es in der Vergangenheit äußerst schwierig gewesen war,
überhaupt Informationen zum aktuellen Kunstgeschehen zu bekommen und
diese heute zwar reicher aber nur bruchstückhaft kontextualisiert
und vermittelt zur Verfügung stehen, entwickelte sich die
Gegenwartskunst in den Neunzigern auf einem Parallelweg zu den
globalen Entwicklungen. Trotz der hochengagierten Vermittlungsarbeit
des SCCA, die sich unter anderem auch in der Bereitstellung von
Produktionsressourcen ausdrückt und im verstärkten Gebrauch von »new
media« in den präsentierten Projekten am sichtbarsten wurde, blieb
vor allem ein auf Körperbilder und Emotionalität reflektierender
Zugang besonders spürbar. Das widerspricht genau jenen
Vorstellungen, hier Kunstwerke voller Wut und Revolte, die sich
gegen die einengenden persönlichen und sozialen Perspektiven vor Ort
richten, zu finden, wie sie besonders für den Blick westlicher
KunstkritikerInnen attraktiv scheinen, die erwarten, überall in
postsozialistischen Regionen Frustration vorzufinden.
Die
erste Gruppe von Projekten aus Kasachstan war reich an
volkstümlichen und ruralen Bezügen, reflektierte auf jene Legenden
und Bräuche, die auch eine zentrale Rolle für den nationalen
Symbolhaushalt der jungen Republik spielen. Um Geschichten zu
erzählen, meist grausame - über patriarchale Entjungferungsrituale,
»Shimilbik« von Gauhar Kiekbaeva; Folter - »Pol Pot« von Erbosin
Maldibekov oder die Konfrontation des Mythos der Seidenstraße mit
den modernen Transportsystemen in »Asian Route« von Ablikim Akmulaev
und Zita Sultanbaeva, wurde der Einsatz von Video und Fotografie mit
taktilen symbolischen Materialien wie Erde, Stein, Holz und Wolle
kombiniert.
Die andere Gruppe von Projekten handelte von
privaten, persönlichen Bekenntnissen und Wunschwelten (»The hidden
aspects of my caracter« von Almagul Melibaeva, Kasachstan), den
Träumen hinter den monotonen Fertigteilfassaden der in den
Nachkriegsjahren in großen Umfang erweiterten ehemaligen Kapitale
(»Mamur's Dream« von Galim Madanov, Kasachstan). Poetische
Reflexionen privater Erfahrungen fanden sich auch in »Reading the
clouds« von Slavica Janeslieva, Mazedonien, und »Don't look back
with anger« von Elena Panayotova, Bulgarien. Das provokativste
Projekt der Schau war das Cinematheatre »Novosibirsk«, ein Band mit
»extra short films (ESF)«, die luzide Beispiele für den zynischen
Umgang mit lokaler Isolation im Slapstickformat und »funny
performances« lieferte und ein kleines, die Ekelgrenzen ausreizendes
radikales Körpertheater zeigte, das wie eine Kritik auf die
heroischen Gesten der Moskauer Aktionskunst vom Anfang des
Jahrzehntes wirkte. Weniger interessant erschienen in diesem Kontext
Arbeiten, die Aktualität im Sinne neuer technologischer
Errungenschaften zu präsentieren versuchten.
Die Intention
der OrganisatorInnen, die BesucherInnen über die Entwicklungen der
zeitgenössischen Kunst nicht nur in Kasachstan zu informieren und
neue Möglichkeiten zu finden, mit der Welt zu kommunizieren, schien
jedenfalls aufgegangen. Publika für zeitgenössische Kunst, die sich
in Kasachstan ernsthaft erst in den letzten zehn Jahren entwickelt
hat und derzeit einen Prozess der Integration von world art trends
durchläuft, sind praktisch inexistent. Die Ausstellung, die sich
auch wegen ihrer strategischen Platzierung in einem der
Erholungsräume der Stadt guten Besuches erfreute, war nicht nur in
dieser Hinsicht ein wichtiger und erfolgreicher Schritt.
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