| Salzburger Nachrichten am 26. Mai 2006 - Bereich: Kultur
Kunst für Kunden Kulturinstitutionen in
Österreich lassen angeblich Geld gleichsam auf der Straße liegen, weil sie
sich zu wenig um Kunden und Sponsoren kümmern.
Wien (SN-hkk). Österreichs Kulturinstitutionen und besonders die Museen
vergeuden die Chance, Eigeneinnahmen zu erhöhen. Dieses Fazit zieht die
Beraterfirma A. T. Kearny in einer Studie, die am Mittwoch in Wien
präsentiert wurde. A. T. Kearny berät internationale Konzerne und rühmt
sich, weltweit zwei Drittel der "Fortune-500"-Unternehmen als Kunden zu
haben. In Österreich ist die 1926 in den USA gegründete Firma seit 1998
präsent. Die Autoren der Studie, Claudia Witzemann und Stefan Höffinger, reden
und schreiben zwar über "Kulturinstitutionen", haben aber nur Daten eines
kleines Segments betrachtet: einige große Museen, Festspiele in Salzburg,
Bregenz und Mörbisch sowie die Kulturhauptstädte Graz, Lille, Weimar und
Salamanca. Der Großteil der Kulturinstitutionen - vor allem Musik und
Theater - bleibt unberücksichtigt. Nachfrage nach Kunst und Kultur wächst stetig. Die Konsumausgaben im
Bereich "Freizeit, Unterhaltung, Kultur" nehmen seit Anfang der 90er Jahre
um vier Prozent pro Jahr zu. Die Freizeit hat sich um etwa 50 Prozent
vermehrt: 1979 hatten Österreicher im Durchschnitt drei Stunden pro Tag
freie Zeit, 2005 waren es 4,75 Stunden. Knapp ein Fünftel der Österreicher
nennt "Kultur, Konzerte, Theater" als Freizeitbeschäftigung. Doch dieses
Marktpotenzial werde zu wenig genützt, kritisieren die Autoren. Ziel der
Studie sei nicht, Argumente für weitere Reduktion der Subventionen zu
liefern. Aber: "Es gibt Chancen, die Mittel zu erhöhen." Möglich wären zusätzliche Einnahmen aus Restaurant, Museumsshops mit
eigenen Markenartikeln und Sonderveranstaltungen. Kunden seien nicht
allein als "Kunstkonsumenten" zu sehen, vielmehr müssten deren
"multidimensionale Bedürfnisse" beachtet werden, empfehlen die Autoren.
Das heißt: Angeboten werden solle alles, um Besuchern einen schönen Tag
oder einen schönen Abend zu machen. Zudem sind Firmen zu gewinnen, sei es über Vermietung der Räume oder
Sponsoring. Angeblich haben Österreichs Unternehmen 2004 mit 43 Millionen
Euro um 16 Prozent mehr für Kunstsponsoring ausgegeben als im Jahr
davor. Im Jahr 2004 bestand das Budget des Kunsthistorischen Museums (KHM) zu
61 Prozent aus Subventionen, jenes des Oberen Belvederes zu 50 Prozent.
Die Vergleichszahl für das Metropolitan Museum in New York lautet 8
Prozent, für die Tate Modern in London 31 Prozent. Jeder Besucher im KHM wird mit 16 Euro subventioniert, im Oberen
Belvedere mit 12 Euro, in der Tate Modern mit neun Euro, im Metropolitan
Museum mit vier Euro. In den Shops werden pro Besucher im Metropolitan
Museum 14,3 Euro lukriert, in der Tate Modern 5,7 Euro, im KHM 5,3 Euro.
Wenn Eigeneinnahmen als "gute Praxis" gelten, so geben die Franzosen
ein schlechtes Beispiel: Im Centre Pompidou besteht das Budget zu 76
Prozent aus Staatsgeld, jeder Besucher wird mit 27 Euro gefördert. |