Wenige Tage nach dem Spatenstich für ein Frohner-Museum ist der Grafiker und Maler Adolf Frohner ist im 73. Lebensjahr gestorben. Der Autodidakt, dem in den 1950er Jahren wegen "mangelnder Eignung zur Malerei" die Aufnahme an die Akademie der bildenden Künste verwehrt wurde, war einer der Mitbegründer des "Wiener Aktionismus". Später konzentrierte sich der Künstler immer mehr auf die reine Malerei und Zeichnung.
Frohner wurde am 12. März 1934 in Groß-Inzersdorf, Niederösterreich, geboren, und besuchte die humanistischen Gymnasien in Zwettl und Krems sowie eine Fachschule für Wirtschaftswerbung. Maler werden wollte er schon als Kind, wie er erst vergangene Woche beim Spatenstich zum Frohner-Forum erklärte, das 2007 in Krems-Stein eröffnet werden soll. Sein Zeichenprofessor in Krems habe ihn dazu angeregt, Mauerflächen zu malen, erklärte er die Herkunft seiner Wandbilder, zu denen etwa eine 40 Meter-Arbeit in der U3-Station Westbahnhof und ein Wandbild am Flughafen Wien-Schwechat gehören.
1952 ging Frohner nach Wien, wo er ab 1954 als Gasthörer die Akademie der bildenden Künste besuchte. "Ich durfte als junger Mann die hehren kunstakademischen Hallen nicht betreten, weil ich zum Beispiel nicht wusste, was ein Passepartout ist", hatte er einmal in einem Interview erzählt, "Ich bin vom Land gekommen". Seine künstlerische Prägung erfuhr Frohner bei seinem Mentor Herbert Boeckl als Schüler im legendären "Abendakt". Nebenbei arbeitete er als Werbegrafiker und Kunstkritiker.
Künstlerisch orientierte Frohner sich zunächst an Cezanne, Picasso, Gris, Leger und Paul Klee. 1960 fand er zur frei gestikulierenden Malerei, die später in den Aktionismus mündete. Frohner schuf Gerümpelplastiken, experimentierte mit sperrigen Stoffen wie Matratzenhaar, setzte sich mit der Art brut auseinander und entdeckte die Ästhetik des Hässlichen. Auf Initiative Boeckls erhielt er 1961 ein Unesco-Stipendium, das ihm einen Paris-Aufenthalt ermöglichte. In der Seine-Metropole machte er Bekanntschaft mit dem Kreis der "Nouveaux realistes" um Pierre Restany, deren Einflüsse auf seinen ersten Materialbildern gut zu erkennen sind.
Nach Wien zurückgekehrt, sorgte Frohner 1962 gleich für einen handfesten Skandal: Zusammen mit Hermann Nitsch und Otto Muehl (Otto Mühl) mauerte er sich drei Tage ein und gab das Manifest "Blutorgel" heraus - der "Wiener Aktionismus" war geboren. Wenig später trennte sich Frohner aber wieder von der Gruppe, da er nicht vor Publikum arbeiten wollte. Seinen Lebensunterhalt verdiente sich der freischaffende Maler und Grafiker als Messegestalter, Auslagenarrangeur, Geometergehilfe und Wäschezusteller.
Der internationale Durchbruch gelang Frohner 1969 bei der Biennale Sao Paulo sowie ein Jahr später bei der Biennale Venedig, wo seine Werke, die sich mittlerweile immer mehr auf reine Malerei und Zeichnung konzentrierten, starke Beachtung fanden. Die Themen seiner Bilder, hauptsächlich gefesselte und vergewaltigte Frauen als Sinnbilder der Gewalt, erinnerten aber weiter an seine Anfänge im Aktionismus. Und Rot, die Farbe des Bluts, blieb ein wichtiges Element seiner expressionistischen Malerei.
1972 wurde der mittlerweile international etablierte Künstler als Professor für "Abendakt" an die Hochschule für angewandte Kunst berufen, wo er von 1985 bis 20055 eine Meisterklasse für Malerei leitete, 1995 zum stellvertretenden Rektor gewählt wurde und von 1999 bis 2005 als Vorstand des Instituts für bildende Kunst fungierte. Frohner erhielt u. a. den Theodor Körner-Preis, den Österreichischen Staatspreis für Grafik und das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse.
Seine Werke befinden sich ständig in der Sammlung Essl, im MUMOK, in der Albertina und im Belvedere. 2001 fand eine Personale im Kunstforum Bank Austria statt. Vergangenen Herbst waren im Rahmen einer dreiteiligen Ausstellung in Eisenstadt unter dem Titel: "Jeder wirft seinen eigenen Schatten" Bilder sowie einige Skulpturen des Künstlers aus einem Schaffenszeitraum von 40 Jahren in der Burgenländischen Landesgalerie, im ORF Landesstudio Burgenland und der "Galerie 1990" zu sehen.
Nachrufe
Der am Mittwoch überraschend gestorbene Adolf Frohner sei "einer der größten Künstler in Österreich nach 1945 und einer der verdienstvollsten für die Kunst- und Kulturpolitik" gewesen, betonte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder gegenüber der APA. "Ich, wir alle in der Kunstwelt, sind zutiefst erschüttert von dem völlig unerwarteten und überraschenden Tod", sagte Schröder, mit Frohner auch "einen ganz engen Freund" verliert.
Österreich verliere mit Adolf Frohner einen großen Aufsehen erregenden Künstler, würdigte Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) den am Mittwoch überraschend gestorbenen Maler und Grafiker. Seine Kunst habe für viele Menschen Antworten gegeben, "Österreich traut um ihn", betonte Gusenbauer in einer Aussendung.
Die für Unterricht, Kunst und Kultur verantwortliche Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) reagierte bestürzt auf den Tod Adolf Frohners. Dieser "war Zeit seines Lebens eine polarisierende, provozierende und vor allem prägende Figur der Kunst und Gesellschaft unseres Landes", sagte Schmied laut einer Aussendung. Schmied würdigte die wichtige Rolle Frohners im Rahmen des Wiener Aktionismus und "die Weitergabe seines Wissens und Könnens an folgende Generationen, im Rahmen seiner Lehrtätigkeit".
Als "Künstler von Weltformat, der sich immer zu Niederösterreich bekannt und dem Land mit seinem künstlerischen Schaffen ein unverwechselbares Profil gegeben hat", würdigte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) den verstorbenen Maler. Frohner war ein "großartiger Künstler und eine gefestigte Persönlichkeit, den immer auch besondere Toleranz und Menschlichkeit ausgezeichnet hat", so Pröll. Sein Vermächtnis werde im Frohner Forum Krems weiterleben.
Donnerstag, 25. Jänner 2007