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Kunstberichte

Gottheit und dunkler Dämon

BA-CA Kunstforum enthüllt bis zum Sommer den "Eros in der Kunst der Moderne"
Illustration
- Sinnliche Farbe, sexuelle Pose: Egon Schieles „Frau in Rot“ ziert neben einer Vielzahl von Meisterwerken die „Eros“-Schau des BA-CA Kunstforums.  Foto: Privatbesitz

Sinnliche Farbe, sexuelle Pose: Egon Schieles „Frau in Rot“ ziert neben einer Vielzahl von Meisterwerken die „Eros“-Schau des BA-CA Kunstforums. Foto: Privatbesitz

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Es beginnt in alten Sakralgefilden mit "Susanna im Bade" von Franz Stuck oder den "Versuchungen des heiligen Antonius" von Paul Cézanne: nicht nur Liebesfreuden, auch Plagen verbinden sich mit Eros, den die Griechen poetisch zur Person erhoben.

Da bleibt auch der dunkle Dämon quälender Lust, der Alfred Kubin bis zur Nekrophilie treibt oder Hans Bellmer zur abstrusen Konstruktion von Bein- und Rumpfteilen seiner Fetischpuppe. Man kann auch Pornografie ironisieren: Yves Tanguy und Felicien Rops sind darin Meister. Bei den Ingresblättern von Marcel Duchamp gefriert das Blut, bei Fernand Khnopff ist die Dame Kunst eine abhebende Sphinx mit dem sprungbereiten Körper einer Gepardin.

Die Fondation Beyeler in Basel hat diese Ausstellung mit etwa 200 Bildern, Skulpturen, Fotografien, Zeichnungen und Installationen gemeinsam mit dem Kunstforum konzipiert.

In der Kunst zeigt sich das kosmische Prinzip von Liebe und Begehren prinzipiell sublimiert, nicht Vereinigung, sondern Begehren ist das Thema – dank dieser Auswahl nahezu unerschwinglicher Hauptwerke von Edgar Degas über Pablo Picasso, Auguste Rodin bis zu Lucian Freud und Francis Bacon bleibt für Kunstfreunde sogar die Ersatzbefriedigung des Sammelns reine Sehnsucht.

Als schöpferisches Prinzip ist der Schönste der Unsterblichen an der Kunst beteiligt, und es gibt in der Moderne kaum einen Künstler, der dem Liebesgott nicht folgt. Natürlich ist die Dominanz des männlichen Blicks dabei nicht zu verbergen, der Eros kann sich aber wie bei Balthus (Balthazar Klossowski) in den geliebten Kater eines kleinen Mädchens verwandeln.

Robbe für Fetischisten

Eros aus dem Blickwinkel der Frau ist mit vier prominenten Beispielen vertreten: Rebecca Horns bittersüße Zittermontage eines Fahrradschlauchs, Louise Bourgeois’ Phallusobjekt "Fillette" – dazu Robert Mapplethorpes Porträt der grinsenden Künstlerin mit diesem Objekt –, Jenny Holzers wortreiche Liebesschwüre auf Marmorbänken, Cindy Shermans böse Antwort auf Bellmers Puppenobsessionen und Rosemarie Trockels hinreißendes Robbenwesen mit dem Untertitel: "Es gibt kein unglücklicheres Wesen unter der Sonne als den Fetischisten, der sich nach einem Frauenschuh sehnt und mit einem ganzen Weib vorlieb nehmen muss."

Fleischiger Paprika

Überraschungsangriff und Bezwinger ist der Kindgott Eros auch mit seinem Pendant Anteros für die gleichgeschlechtlich Liebenden – von Anton Kolig über Lucian Freuds Blick auf ein lesbisches Paar bis zu David Hockney. Fehlt nur das alte kultisch-erotische Prinzip, Fruchtbarkeit zu erbitten: da rettet sich Yves Klein mittels Körperabdruck ins kosmische Blau und Edward Weston in die Fleischlichkeit eines Paprikas.

Eros in der

Kunst der Moderne

Zahlreiche Kuratoren

BA-CA Kunstforum

Bis 22. Juli

Schönste Pein.

Mittwoch, 28. Februar 2007


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