| Hungerkunst | |
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Von Friedrich Tietjen.
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War in den vergangenen Jahren das
Interesse an den von Kafka so geschätzten Hungerkünstlern sehr
zurückgegangen, scheint es hier gerade in der letzten Zeit eine echte
Trendwende gegeben zu haben; allerdings befleißigen sich die Auserwählten
eher un(frei)willig dieser Disziplin. Zu den Stars - auch Institutionen
können hungern - zählt dabei in Wien sicher das Depot. 1994 gegründet,
wurde es mit seinen Veranstaltungsreihen und Diskussionen zu Fragen
zeitgenössischer Kunst zu einem Knotenpunkt der österreichischen Kultur
und gewann Renommee weit über die Grenzen des Landes hinaus. Empfehlungen ohne Zusagen
Obwohl dem Depot schon zu schwarz-roten Zeiten nicht unbedingt
Regierungsnähe zu attestieren war, stand die Förderung durch die
Kunstsektion des Bundeskanzleramts damals grundsätzlich nicht zur
Disposition. Die neue Finesse der Hungerkunst besteht nun im steten
Wechselspiel von Hoffnung und Enttäuschung: Nachdem die Förderung für 2000
erst im August des gleichen Jahres bewilligt worden war, lassen Zusagen
für 2001 immer noch auf sich warten - und das, obwohl der alte Kunstbeirat
des Bundeskanzleramtes bereits im November 2000 die weitere Förderung des
Depots empfohlen hatte. Notbetrieb dank Nothilfe Das Depot läuft währenddessen im Notbetrieb. Weil das Budget im
vergangenen Jahr von 3,5 Millionen Schilling auf 2,8 Millionen Schilling
gekürzt worden war, mussten schon im Oktober 2000 alle Angestellten
gekündigt und die Öffnungszeiten und das Veranstaltungsprogramm drastisch
reduziert werden; an Ankäufe für die Bibliothek ist seit langem nicht
nicht mehr zu denken. Vor der völligen Schließung wurde das Depot durch
eine einmalige Förderung der Stadt Wien in Höhe von 300.000 Schilling
bewahrt, mit der bis jetzt die Fixkosten bestritten werden konnten.
Sollten allerdings Mittel oder wenigstens verbindliche Zusagen seitens des
BKA weiter ausbleiben, droht dem Depot im April das endgültige Aus. Pause durch Umbau Das wäre um so bedauerlicher, als sich erst vor wenigen Wochen die
strittige Frage nach dem Verbleib des Depots im Museumsquartier endlich
geklärt hatte: War es in den Planungen der Betreibergesellschaft
anfänglich überhaupt nicht berücksichtigt, konnte nun ein Mietvertrag bis
März 2004 fixiert werden. Allein die Umbauten werden zu einer Zwangspause
ab Ende April führen; im September könnte das Programm in den als
Ausweichquartier zur Verfügung gestellten Räumen des Architektur Zentrum
Wien weitergeführt werden - wenn die Finanzierung gesichert wäre. Keine Bestätigung In der Kunstsektion des Bundeskanzleramts hält man sich indes bedeckt.
Warum den Vorschlägen des alten Beirates nicht gefolgt wurde, wird in der
Abteilung II/1 mit der angespannten Budgetsituation der Sektion begründet;
dass andererseits Gelder für nicht empfohlene Projekte bewilligt wurden,
wird nicht weiter kommentiert. Dass in seiner Sitzung in der vergangenen
Woche sich auch der neue Beirat für eine Förderung des Depots
ausgesprochen habe, wurde nicht bestätigt - die Fülle der Einreichungen
mache ohnehin eine weitere Sitzung Anfang März erforderlich; erst danach
könne mit Ergebnissen gerechnet werden. Schleichende Auszehrung Ob dann eine neuerliche positive Empfehlung für das Depot von
Staatssekretär Morak bestätigt würde, ist allerdings ungewiss. Und sollten
die Gelder tatsächlich später im Jahr bewilligt werden, müsste das Depot
wieder von Null anfangen. Der Notbetrieb wird dem Profil des Depots nur
noch rudimentär gerecht und zehrt am sozialen und inhaltlichen Kapital der
Institution. Schon jetzt wurden geplante Projekte und Kooperationen auf
Eis gelegt oder abgesagt, haben sich die ehemaligen Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen des Teams neue Jobs suchen müssen. Auch Kafkas
Hungerkünstler ist schließlich aus Mangel an Nahrung gestorben: "'Nun
macht aber Ordnung!' sagte der Aufseher, und man begrub den Hungerkünstler
samt dem Stroh." Link:: Depot | ||||