VN Mo, 30.7.2001

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KOMMENTAR

Der Kunstpreis sollte Folgen haben

VON CHRISTA DIETRICH

Natürlich ist es legitim, eine Rede zu einer Preisverleihung politisch anzureichern. Bei großen Anlässen wie etwa der Überreichung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels wird es sogar erwartet. Mitunter ist die Botschaft entlarvend, kontraproduktiv oder eben zu harmlos verpackt. Dann kommt sie ohnehin nicht an. Preisvergaben haben ihre Rituale - ihre Höflichkeitsfloskeln. Gut, wenn man davon abweicht.

Der Kunstkenner Karlheinz Pichler hat es getan. Er hat bei der Verleihung des Internationalen Kunstpreises des Landes an Ruth Schnell darauf aufmerksam gemacht, dass man lange gebraucht hat, bis die neuen Medien im Land auf diese Weise Beachtung finden. Dass eine Künstlerin seltener mit einem Preis bedacht wird, ist ja nicht nur ein Vorarlberger Versäumnis.

Pichler reihte sich zudem - mit wenigen Sätzen zum Schluss - unter all jene, die in öffentlichen Reden ihren Protest gegen die "Regierungsbeteiligung der Haider-Partei" anbringen. Sozusagen als kurze Solidaritätskundgebung. Er erinnerte aber auch daran, dass Vorarlberg jenes Bundesland ist, in dem diese Koalition die längste Tradition hat.

Sie bestand schon viele Jahre als im Februar 2000 auch in Vorarlberg Künstler auf die Straße gingen, um gegen die "Koalition der Niedertracht" anzutreten.

Es ist absolut nicht verfehlt, diesen Hinweis, der auch in der heißen Demonstrationsphase zwar laut, aber nicht überall gerne gehört wurde, in diesem Rahmen - vor den Koalitionspartnern und vor Künstlern - zu wiederholen.

Ruth Schnell arbeitet in Wien. Pichler nennt es ihr "Wiener Exil". Die Präsenz in Vorarlberg ist in erster Linie durch Kunst-am-Bau-Projekte und Ausstellungen, die auf private Initiativen zurückzuführen sind, gegeben. Es wird sich weisen, ob sich der Kunstpreis des Landes mit einer Scheckübergabe erledigt, oder ob jene, die dem Urteil der Preisjury stattgegeben haben, auch daran interessiert sind, diese Präsenz über Aktivitäten entsprechend zu erhöhen.




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