Secession die Zweite: Schon lustig, wenn der Kassier der
Künstlervereinigung der Secession in dieser einen Banküberfall zum Thema
macht. Manfred Erjautz stellt in der Secession aus. Moneymaker nennt sich
das Video, in dem er durch die Überwachungskamera einer Bank auf einen mit
gezückter Waffe Geld fordernden Banditen blickt.
Am Pfeiler daneben lehnt ein Schußgerät. Ein Gewehr aus Lego, unterm
Sturz aus Plexiglas, etwas schüchtern versteckt, aber dennoch präsent. Ums
Eck läuft eine kleine Dia-Show: Ein Zimmer, ein Mann, eine Waffe, er macht
einen Ausfallschritt, geht in Stellung, legt an, nimmt sein imaginäres
Ziel ins Visier. Ein martialisches Waffen-Ballett.
Das Dia-Karussell macht beim Wechseln der Lichtbilder "Klick" dazu:
Jeder Schuß ein sanfter Treffer? Zum Schluß wird der Schießwütige selbst
erschossen und sinkt zu Boden.
Im Zentrum des luftig bespielten Hauptraumes hat die Decke ein Loch.
Von oben, durch die gläserne Täfelung strahlt eine Peitschenlampe
hindurch. Daneben ragt eine mächtige Neonschrift heraus und strahlt ein
blitzeblaues "ME" auf den Boden. Das "ME" steht einerseits für die
Initialen des Künstlers, soll aber auch, indem sich die Buchstaben als
"WE" auf dem Boden spiegeln zwischen Individuum und Masse verhandeln. Kurz
gesagt: "Das Ich projiziert selbst eine Gemeinschaft, die es zugleich
überstrahlt" (Pressetext). Wer diese Intentionen von selbst erkennt, hat
eigentlich schon gewonnen.
Poetisch irritierend: Die Glaswand, die in den Hinterausgang des
Hauptraumes eingesetzt wurde und den Blick auf den Beserlpark dahinter
öffnet. Ein Schneemann wartet im Gras auf Tauwetter. Vergeblich, er ist
aus Marmor gehauen.
Die Wand daneben zeigt Erjautz als witzig-skurrilen Graphiker. Einige
von der Decke hängende Großformate, schummrige unwirkliche Photographien
von realen Räumen, ergänzen das kleine Erjautz-Festival. Ein hübsches
Spiel mit der Irritation, ein raffiniertes Vazieren zwischen Fake und
Wirklichkeit.
Freunden realer Stoffe, farbenfroh veredelt, bedruckt, sei die
Präsentation der Arbeiten von Designerin Ursi Fürtler empfohlen. Ein
Querschnitt ihres Werks von 1971 bis 2001 ist bis 2. März im
Heiligenkreuzerhof zu sehen.
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