VON CHRISTA
DIETRICH E-MAIL: christa.dietrich@vn.vol.at
Lustenau (VN) Zwei, drei Stunden sind vergangen, man spricht über
das Figürliche in der Kunst, glaubt zu zweit zu sein und nimmt
plötzlich einen Dritten wahr - durchs Fenster im Garten. Dort
verharrt eine weitere Figur von Udo Rabensteiner in einer Bewegung.
Der Künstler aus Lustenau spricht von Authentizität, Wahrnehmung
und nicht zuletzt von Schwerarbeit.
Nach Bildhauerlehre und Kunstgewerbeschule hat er etwas gesucht,
wo er figurativ arbeiten kann ("Weil es authentisch ist für mich")
und hat ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München
angeschlossen.
Zwischendurch hat er dann abstrakt gearbeitet, aber festgestellt,
dass er sich "selbst anlügen würde", wenn er nicht wieder zur Figur
kommt. "Ich weiß, Figuren haben schon viele gemacht, und ich bin
jetzt mittendrin - auf dem Weg", erläutert er die jüngste
Schaffensphase. Es sind Figuren aus Steinguss. "Die Bronze des armen
Mannes", nennt er sein Material, den Schwarzzement, bei dem Gips,
Ton, Zement etc. eine wichtige Rolle spielen. Zumindest wenn man die
Arbeit einmal von der handwerklichen Seite betrachten will.
Neue Blickwinkel
Und so etwas tut man eben auch in einer Werkstatt, an deren
Wänden sich Skizzen befinden und in der die fertigen Skulpturen für
die Besucherin schließlich enthüllt werden. Zwei Personen sind in
einer Rangelei festgehalten - oder ist es eine Umarmung? Je nach
Blickwinkel tun sich weitere Möglichkeiten auf, auch abstrakte
Formen treten zu Tage. Das ist Rabensteiner wichtig. "Ich nehme die
Skulptur zum Gestalten, so wie ein anderer einen Punkt oder einen
Kreis verwendet."
Eine Herausforderung
Seine Skulpturen (immer etwas kleiner als der Mensch im
Allgemeinen, was den Blick bewusst enorm schärft) werden auch nicht
einfach aufgestellt. So wie man schon in der Renaissance begann,
Bilder auf den Kopf zu stellen, weil dabei ein neues Bild herauskam,
hängen sie mitunter frei im Raum oder an der Wand - und bleiben
damit in Bewegung, geben ein Schicksal preis.
Und sind eine Herausforderung für den Betrachter, der seine
Wahrnehmung zu hin-Verletzlichkeit
Udo Rabensteiners Figuren reizen nicht durch ein beabsichtigtes
Faszinosum, ihre Verletzlichkeit überträgt sich unmittelbar. Derlei
Begegnungen sind nun vielen möglich. Rabensteiner, der sich im
Vorarlberger Kunstbetrieb bewusst rar macht, zeigt einige Arbeiten
bald im Palais Liechtenstein in Feldkirch.
terfragen beginnt oder seine Befindlichkeit überprüft.
Da schält sich also eine Figur aus einer Art Kokon, eine andere
ist in einer lichtdurchlässigen Kunststoffmasse gefangen, ist im
Begriff sich zu verändern, löszulösen von der üblichen menschlichen
Form, wie ein Wesen, das sich verpuppt. Es ist gut, dass der
Künstler dem Betrachter an diesem Punkt das Interpretationsfeld zur
Gänze überlässt.