| Salzburger Nachrichten am 27. Oktober 2004 - Bereich: kultur
Kleben ist besser als wegwerfen Tom Sachs ist ein neuer
Star der New Yorker Kunstszene. Er wird schon mit Jeff Koons und Andy
Warhol verglichen. In Salzburg hat er einen Kunstraum eingerichtet.
GUDRUN WEINZIERLSALZBURG (SN). Im Kunstraum der Deutschen Bank in
Salzburg (Rainerstraße) zeigt Sachs bis 20. November auf Einladung der
Galerie Ropac in einer Installation Anspielungen auf Vermögen und
Besitz. "Mein Thema ist, Symbole, Dinge, Materialien der Alltagswelt in neue
Zusammenhänge zu bringen", sagt der 38-jährige New Yorker im SN-Gespräch,
der das "Do-it-yourself-Prinzip" zum Hauptmotiv seiner Arbeit machte.
Dabei kann Ironisches, Befremdendes und sehr oft Schockierendes entstehen.
Sachs spielt mit Marken und Design-Ikonen. Als Chefdekorateur im New
Yorker Modetempel Barney’s schockierte er 1994 mit einer
Weihnachtskrippe, in der das Jesuskind durch die japanische Spielzeugkatze
Hello Kitty und die Heiligen Drei Könige durch Bart-Simpson-Puppen ersetzt
wurden. Als Maria fungierte die barbusige Madonna Ciccone. Das war das Aus
für den Dekorateurberuf, aber das Entrée in die New Yorker Kunstwelt. Später verpackte Sachs für ein jüdisches Museum ein Miniatur-KZ in eine
Schachtel von Prada, Hermès-Handgranate oder Chanel-Giftgas waren weitere
spektakuläre Objekte des "Trash-Künstlers". Tom Sachs ist der Typ des Hobbybastlers und verwendet für seine
Objekte, Installationen und Assemblagen den Begriff der "bricolage" (frz.
Bastelei). Er sieht sich als Mensch, der aus Altem Neues macht, der es
liebt, wiederzuverwerten und nutzlos Gewordenes neu nutzbar zu machen. "Zu
flicken, auszubessern, zu reparieren und zu kleben ist besser als
wegzuwerfen", sagt Sachs. "Besonders wichtig ist mir das Scotch Band als Synonym für das
Reparieren." Das Klebeband ist nicht nur Arbeitsmaterial, sondern wird als
Bildinhalt auch in die Salzburger Installation "Personal Wealth
Management" einbezogen. Dem Scotch-Bild gegenüber findet sich
Sachs’ Version zu Malewitschs Schwarzem Quadrat, das derzeit in
der Galerie Ropac ausgestellt ist. Das viele Millionen teure Original
"bastelt" Sachs mit Material aus früheren Werken nach. "Der Bildträger ist
Holz aus alten Verpackungskisten, das schwarze Quadrat besteht aus einem
Teil jener Asphaltplatte, die ich ein Jahr zuvor als Autorennstrecke in
meinem Werk ,Nutsy’s‘ in der Deutschen Guggenheim
einsetzte", erzählt Sachs. Damals kurvten Carrera-Spielzeugautos auf 400
Quadratmetern durch originalgetreue, im Maßstab 1:25 gefertigte
Rekonstruktionen von berühmten Wohnbauten Le Corbusiers und Möbeln Mies
van der Rohes, durch einen Skulpturenpark mit Werken von Brancusi und
Oldenburg oder an einem McDonald’s-Restaurant vorbei. Sachs improvisiert und erweckt den Eindruck, mit seinen Betriebs- und
Arbeitsmitteln sparsam umgehen zu müssen. Amüsant ist das Lichtspektakel
der sechs rot-blau-weiß flimmernden amerikanischen Polizei-Lichter, die
der optische Hauptteil der Installation sind. Sachs beschallt den Besucher
des Kunstraums zudem mit sattem Sound aus einer veritablen Soundanlage.
Aber auch diese erweist sich - als überdimensionaler Ghettoblaster - als
Marke "Selbstbau". |