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15.01.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Evaluierung: Von der Konkurrenz zur Verdrängung?
VON EVA MALE UND NORBERT MAYER
Unter den Museumsdirektoren herrscht Nervosität. Demnächst wird ein neues Museumskonzept erwartet.

D
ie österreichischen Bundesmu seen wurden in den vergangenen Monaten von internationalen Fachleuten unter der Leitung von Bernhard Graf (Preußischer Kulturbesitz) auf ihre Qualitäten geprüft. Die erste Erhebung des Ist-Zustandes seit der Ausgliederung ergab rund 250 Seiten Analyse. Hochoffiziell ist alles prächtig hier in Wien, kann man bereits gefahrlos sagen, ohne das Endergebnis zu kennen. Denn die sieben Museen konnten selbst eine Reihe von - wahrscheinlich wohlwollenden - Experten aus dem Ausland nennen, von denen Gehrer dann jeweils einen aussuchte. Voraussichtlich im Februar wird die Bilanz der Prüfungen vom Ministerium präsentiert werden.

Dennoch herrscht unter den Direktoren Nervosität. Parallel zu den Gutachten läuft derzeit eine Debatte über mögliche Zusammenlegungen von Museen. Die Idee, Albertina und Österreichische Galerie Belvedere zu fusionieren, hat Gehrer bereits abgeschmettert. Von der Ministerin wird aber erwartet, dass sie auf Grundlage der Qualitätskontrolle ein langfristiges Museumskonzept präsentiert. Kernpunkt des Interesses ist die Erhöhung der Basisabgeltung für die Bundesmuseen - und der Verteilungsschlüssel, um den die Direktoren kämpfen müssen.

Bei der Evaluierung geht es nach Meinung des Generaldirektors des Kunsthistorischen Museums, Wilfried Seipel, nicht um die Neuordnung der Wiener Museumslandschaft: "Sie ist eine Momentaufnahme der Museen mit ihren Qualitäten und Defiziten. Internationale Fachleute haben das getan." Aus ihren Schlussfolgerungen sollten Maßnahmen eingeleitet werden, die teils in die Verantwortung der Museen, teils in die des Ministeriums fallen. Was hält Seipel von der Idee des Direktors der Albertina, diese und die Österreichische Galerie zusammenzulegen? "Nur weil Schröder glaubt, er muss vergrößern, kann man die Evaluation nicht auf diesen speziellen Punkt reduzieren."

Wie sieht die persönliche Bewertung Seipels für sein Museums-Imperium aus? "Wir haben zwei große Probleme. Die Kunstkammer muss fertig gestellt werden. Es handelt sich um Räumlichkeiten, die immerhin fast dreimal so groß sind wie die Albertina. Die Zeit drängt. Zweitens haben wir zu wenig Ausstellungsraum. Das Palais Harrach (wo Seipel bis im Vorjahr ausstellen ließ) war nicht optimal und auch zu teuer." Möglich sei eine Überdachung der Höfe und eine unterirdische Erweiterung. "Es gibt Anzeichen von der Stadt Wien, dass ein Projekt mit einer Tiefgarage verwirklicht werden könnte." Kostenpunkt für die neu gewonnenen Räume: Rund 35 Millionen Euro.

Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder erwartet eine Bestätigung, dass die Ausgliederung der Bundesmuseen ein wichtiger, unwiderruflicher Schritt zur Verbesserung war. "Die Ausgliederung hat in jeder Hinsicht zu einer enormen Steigerung an Effizienz und Aktivität geführt. Es wurde noch nie so viel geforscht, gezeigt, publiziert und restauriert. Dies gilt zumindest für einige Museen, auf jeden Fall für die Albertina. Daher zeugt jegliche Kritik daran von einem Mangel an Realitätssinn derer, die sich nicht mehr an die Vergangenheit erinnern."

Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie Belvedere, hofft sehr, "dass die Evaluierung eine Basis für den Staat sein wird, professionell über die Zukunft der Museen nachzudenken". Es müsse ein Gremium eingesetzt werden, das in einem entsprechenden Zeitraum anständige Vorschläge machen solle. "Wir sehen nach ein paar Jahren Ausgliederung nun die positiven und die negativen Seiten", so Frodl. Zu Letzteren zähle der viel zu starke Konkurrenzdruck - "es ist wichtig, dass daraus kein Verdrängungsprozess wird".

Wie der Prüfer der Österreichischen Galerie Belvedere, John Leighton (Direktor des Van-Gogh-Museums Amsterdam), betonte, müsste unter den verwandten Museen in Wien mehr kooperiert werden. Frodl dazu: "Das tun wir ohnehin. Wir sind ja nicht lauter Burgherren, die glühendes Pech ihre Mauern hinunterschütten." Am ehesten denke er an die Sammlung Leopold und das Mumok: "Da ist viel drin für die Zukunft."

Allgemein sei dem Belvedere "ein gutes Zeugnis ausgestellt worden. Wir haben unsere Aufgabe als Museum mittlerer Größe sehr gut erfüllt und hervorragende wissenschaftliche Arbeit geleistet." Natürlich habe es auch kritische Töne gegeben, so Frodl, etwa dass die Präsentation der Mittelalter-Sammlung nicht zeitgemäß sei - die Neugestaltung ist im Budget vorgesehen -, dass die Bibliothek zu klein und Abteilungen unterbesetzt seien. "Viele Dinge, die wir ohnehin wissen, aber nicht ändern können."

Für das Liechtenstein Museum zeigt sich Direktor Johann Kräftner froh, "dass uns niemand in die Suppe spuckt, da wir ein Privatmuseum sind". Dieses sei von der Evaluierung freilich insofern betroffen, als "daraus Dinge resultieren können, auf die wir reagieren müssen. Wir sind auf der Hut, was herausschaut." Dabei geht es um Themenverteilung und Konkurrenzdruck. So habe etwa das Liechtenstein Museum Barock zu seinem Thema gemacht - "vorher ein Unding in Wien" -, und prompt sei auch im Belvedere Interesse für Barock erwacht.

Von einem Experten des Deutschen Museums in München durchleuchtet wurde das Technische Museum. Vor allem die Ausstellungen und Präsentationen neuer Technologien wurden gelobt. Moniert wurde das Fehlen einer umfassenden Ausstellung des Verkehrsbereichs. Das Museum ist hier historisch sehr gut bestückt. Das vor einigen Jahren umgebaute und völlig neu gestaltete Haus hätte beim Imax-Kino einen eigenen Neubau für den Verkehrsbereich bekommen sollen, dafür fehlte aber dann das Geld.

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