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| 29.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunstmesse Moskau: Nicht kleckern, sondern klotzen | ||
| VON NICOLE SCHEYERER | ||
| Goldpferdchen und Chagall für die neurussische Upperclass bei der dritten "Moscow World Fine Art Fair". | ||
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Einst ritten zaristische Offiziere durch die Moskauer
Manege, einem überdeckten Paradeplatz direkt beim Kreml. Vergangene Woche
beherbergte die elegante Halle die dritte Ausgabe der Kunst- und
Antiquitätenmesse "Moscow World Fine Art Fair". Wie günstig, dass das 1817 errichtete Bauwerk 2004
abgebrannt ist. Dank dieser "heißen Sanierung" konnten neue unterirdische
Hallen erschlossen werden, in denen der Genfer Veranstalter Yves Bouvier
eine Glitzerallee u. a. mit Chopard, Chanel und Bulgari präsentierte.
Juwelier Albert Boghossian zollte der Geschichte der Manege großspurig
Tribut: Er bestückte zwei Goldpferdchen mit 29.000 Diamanten und Saphiren.
Nicht kleckern, klotzen: Keine andere europäische Stadt
boomt derzeit so wie Moskau. Unter den frisch vergoldeten Kirchenkuppeln
wird Reichtum ungeniert zur Schau getragen - genügend Bodyguards
vorausgesetzt. Die "Moscow World Fine Art Fair" zielte auf die
neurussische Upperclass mit einem erlesenen Angebot, das von Alten
Meistern über Möbelraritäten bis hin zu Malerei der klassischen Moderne
reichte. Der Herkunft des Messeerfinders Bouvier dürfte das gute
Drittel französischer Aussteller zu verdanken gewesen sein. Wichtige
Londoner Händler des Vorjahres, wie "Marlborough Fine Arts" oder "Feigen
Aaron", blieben aber diesmal fern. Dafür beteiligten sich Galeristen
zeitgenössischer Kunst, darunter der Wiener Rudolf Budja, die fast alle
von der gerade zu Ende gegangenen "Art Moscow" herüberwechselten. Viele
der poppigen Eyecatcher wirkten hier jedoch deplatziert. Wenn schon figurative Malerei, dann bitte die der
Emigranten der "Ecole de Paris", zweifellos ein Höhepunkt der Messe. Die
Galerie "Cazeau Béraudière" bot einen bezaubernden Chorknaben von Chaim
Soutine an und verwies bei der Preisanfrage nur auf den letzten
Auktionsrekord von zehn Millionen Euro für ein Porträt. Liebhaber von Chagall konnten ins Schwärmen geraten: Die
Pariser Kunsthändler überboten sich mit einer kleinen Kreuzigungsszene
(600.000 €), dem märchenhaften "Rêve des amoureux" (1 Mio. €) oder einem
roten Zirkus-Kleinod (1,6 Mio. €). Unter den weniger bekannten Namen
stachen die abstrakten Maler André Lanskoy und Serge Charchoune bei
mehreren Moskauer Ständen hervor. Da die diesjährige Messe weniger Antiquitäten bot, fielen
ein Rokoko-Salon bei Steinitz oder die bildschönen Art-Deco-Möbel der
Züricher "Jungi Galerie" besonders auf. Auch die Pariser Galerie
"Ratton-Ladriére" hatte keine Zoll- und Transportkosten gespart: Ihre
Besucher empfingen zwei kniende, chinesische Steinkamele aus dem
15. Jahrhundert, die einst als Grabwächter gedient haben. Aufrecht
und mit Reitern hätten sie freilich noch besser in die Moskauer Manege
gepasst. |
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