| Salzburger Nachrichten am 7. September 2006 - Bereich: Kultur
GALERIE
Schießbuden-Figuren Einmal so richtig auf Joanneum-Chef Peter Pakesch schießen? Oder gar
auf Veronica Kaup-Hasler, die neue Intendantin des "steirischen herbstes"?
Das Künstlerduo Deutschbauer/Spring macht dies mit einer
Schießbuden-Installation in den Räumen der Grazer Galerie Patrick
Ebensperger möglich. Mit bereitgestellten Bällen kann man auch auf die
Künstler selbst zielen, wer trifft, erhält ein arg verunstaltetes,
blutbeflecktes Plüschtier. Die Deutschbauer/Spring-Personale "Neue
Arbeiten, alter Hut" wurde Mittwochabend eröffnet. Peter-Kogler-Tapete Ironie, Provokation und Selbstdarstellung: Wenn Deutschbauer/Spring mit
diesen Zutaten zum visuellen Rundumschlag innerhalb des Betriebssystems
Kunst ansetzen, vergeht einigen das Lachen. Erwin Wurm zum Beispiel, der
einst wegen einer vom Duo neu interpretierten One-Minute-Sculpture
("Wurmfortsatz") den Klageweg bestreiten wollte. Bei Ebensperger ist
dieses frappant an die Causa Materazzi/Zidane erinnernde Kopfstoß-Motiv
mehrfach zu sehen, zudem machen sich die Künstler mit einer Kogler-Tapete
über den Trend zum Dekor lustig. Spaßkunst und Anarchie Auf ihren zahlreichen Plakaten führt der Weg von der bisweilen auch
flapsigen und mit der Erregung kokettierenden Spaßkunst geradewegs zur
pointierten Anarchie. Motive wie "Widerstandl" oder "Arbeit macht froh"
sind Klassiker aus der Werkstätte der beiden Aufrührer im
kunstbetrieblichen Einheitsbrei.MARTIN BEHR |