Artikel aus profil Nr. 47/2002
Psycho-Kunst

Kritik zur aktuellen Ausstellung von Pierre Huyghe im Kunsthaus Bregenz
Im Kunsthaus Bregenz lädt der 1962 in Paris geborene Pierre Huyghe, französischer Champion im „Wer hat den besten Pavillon?“-Wettbewerb der letztjährigen venezianischen Biennale, zu einer „Expédition scintillante“. Ein Schiff aus Eis funkelt in Peter Zumthors durchscheinendem Bodensee-Kubus und schmilzt mit großartigem Pathos dahin. Es regnet und schneit von der Decke, manchmal zieht Nebel auf. Das Wetterszenario verdankt sich dem Logbuch des Arthur Gordon Pym, in das Edgar Allan Poes romantischer Novellen-Held die durchgehend üblen Witterungsverhältnisse auf seiner Antarktisfahrt eintrug. Raffinierte Haustechnik und der Computer machen die meteorologische Simulation möglich, so manche Rockband müsste angesichts der spektakulären Show vor Neid erblassen.

Formgerecht bezeichnet Huyghe seine Installation auch als „Musical“. Die zweite Szene gruppiert sich um eine psychedelisch eingenebelte Lichtbox, umweht von einem Debussy-orchestrierten Satie-Soundtrack. Außerirdische, die wie bei Spielberg geheimnisvolle Ton- und Lichtsignale senden, lassen grüßen. Das schöne Finale: ein schwarz eingefärbter Eislaufplatz als Projektionsfläche – für die Architektur des spezifischen Orts, als Bedrohungsmetapher, als Modell für das oft beschworene „Bild nach dem letzten Bild“.

Bis 24.11., Kunsthaus, Karl-Tizian-Platz, 6900 Bregenz, Info-Tel.: 05574/485 94 0.

Autor: Brigitte Huck


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