Kritik zur aktuellen Ausstellung von Pierre Huyghe im
Kunsthaus Bregenz
Im Kunsthaus Bregenz lädt der 1962 in
Paris geborene Pierre Huyghe, französischer Champion im „Wer hat den
besten Pavillon?“-Wettbewerb der letztjährigen venezianischen
Biennale, zu einer „Expédition scintillante“. Ein Schiff aus Eis
funkelt in Peter Zumthors durchscheinendem Bodensee-Kubus und
schmilzt mit großartigem Pathos dahin. Es regnet und schneit von der
Decke, manchmal zieht Nebel auf. Das Wetterszenario verdankt sich
dem Logbuch des Arthur Gordon Pym, in das Edgar Allan Poes
romantischer Novellen-Held die durchgehend üblen
Witterungsverhältnisse auf seiner Antarktisfahrt eintrug.
Raffinierte Haustechnik und der Computer machen die meteorologische
Simulation möglich, so manche Rockband müsste angesichts der
spektakulären Show vor Neid erblassen.
Formgerecht
bezeichnet Huyghe seine Installation auch als „Musical“. Die zweite
Szene gruppiert sich um eine psychedelisch eingenebelte Lichtbox,
umweht von einem Debussy-orchestrierten Satie-Soundtrack.
Außerirdische, die wie bei Spielberg geheimnisvolle Ton- und
Lichtsignale senden, lassen grüßen. Das schöne Finale: ein schwarz
eingefärbter Eislaufplatz als Projektionsfläche – für die
Architektur des spezifischen Orts, als Bedrohungsmetapher, als
Modell für das oft beschworene „Bild nach dem letzten Bild“.
Bis 24.11., Kunsthaus,
Karl-Tizian-Platz, 6900 Bregenz, Info-Tel.: 05574/485 94 0.