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29.05.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Mauroner: Buchstabenausschlag - Hohenlohe: Christenerrettung - Feichtner: Aufziehpuppenlärm

kunstraum

Drei große Leuchtkörper begrüßen den Besucher der Schau von Jaume Plensa. Für die an den Seitenwänden hängende Skulpturengruppe "The Three Graces" hat der Katalane (*1955) von innen strahlende Figuren aus Polyesterharz geschaffen (je 105.000 €), die Textzeilen aus dem "Hohelied der Liebe" am Körper tragen. Im Vergleich zu ihren auratischen Geschwistern wirken die am Boden sitzenden Männer-Plastiken konventionell. Sie leiden ebenfalls an Buchstabenausschlag. Die Wörter wirken jedoch aufgepfropft, verleihen nur wenig Mehrwert, da sie nicht zum Lesen einladen. Neugieriger macht die Installation im Souterrain, wo dichte Lettern-Vorhänge von der Decke rieseln. Dass diese Metallbuchstaben die Deklaration der Menschenrechte bilden, streicht Plensas universalistisches Kunstverständnis hervor. (Bis 3. 6., Weihburgg. 26, Wien 1)

Hohenlohe: Christenerrettung

Franz Kapfer interessieren Machtverhältnisse, wie sie in Denkmälern zum Ausdruck kommen. Bei der Schau "Zur Errettung des Christentums" geht er Monumenten nach, die den Triumph der Habsburger über die Türken symbolisieren. Die deutlichste Sprache spricht eine Gruppe aus dem Heeresgeschichtlichen Museum, zu deren fotografierten Füßen Häupter türkischer Krieger oder deren Insignien liegen (1500 €). Das Belvedere ist mit nackten Osmanen in Ketten dekoriert, während Permosers "Apotheose" (1718) den kleinwüchsigen Prinz Eugen im Marmor ganz groß und sexy erscheinen lässt. Wie es mit der Kontinuität von Feindbildern aussieht, klingt in einem Video an: Darin fantasiert der Museumsführer eines Passauer Schlosses, wie wir bei einer Habsburger-Niederlage heute unter muslimischer Herrschaft zu leiden hätten. (Bis 3. 6., Bäckerstr. 3, Wien 1)

Feichtner: Aufziehpuppenlärm

Sie sind gut eingeführt im Ausstellungsbetrieb, die lärmenden Aufziehpuppen aus Anna Jermolaewas Videos. Diesmal kommt das gefilmte Spielzeug in der Schau "Disposition" zum Einsatz, die Arbeiten zum Verhältnis Sound/bildender Kunst zeigt. Die experimentelle Mischung umfasst unterschiedliche Ansätze: "dyna:mo" verwandelt ein Lüftungsrohr in ein Instrument, Melissa Frost gibt mittels Bodenzeichnung Anweisungen für einen untanzbaren Tanz und in Nina Peregs Video "67 Bows" ziehen Flamingos bei Schüssen erschrocken die Köpfe ein, was sie bald als choreographiertes Ensemble erscheinen lässt. Die extra produzierte Zeitschrift "Kw.I" samt DVD-Edition umfasst Texte und Clips zu elektronischer Musik/Kunst. (Bis 3. 6., Seilerstätte 19, Wien 1) Nicole Scheyerer

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