Im Fokus
Resnais, die Sphinx
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Filmszene aus einem der jüngeren Werke von Alain Resnais: "On connaît la chanson" (1997). Fotos: Österreichisches Filmmuseum
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Der Filmemacher bei der Arbeit.
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Das Österreichische Filmmuseum widmet von 7. April bis 2. Mai dem
Regisseur Alain Resnais, einem der bedeutendsten lebenden Filmemacher,
vielleicht sogar der bedeutendste Frankreichs, eine umfassende
Retrospektive.
Drehbuchautoren, Schauspieler, Komponisten: Für den französischen
Regisseur Alain Resnais sind sie von elementarer Bedeutung beim
Filmemachen. Der Regisseur ist der, der alles zusammenfügt. Resnais
selbst hat als Regisseur Geschichte geschrieben, sein eigenartiges
Genie wurde meist aber nicht angemessen gewürdigt. Nicht zufällig ist
der Spitzname des 85-jährigen Filmemachers "Die Sphinx”.
Obwohl seine einzigartigen Filme von einer starken
Autorenhandschrift zeugen, bezeichnet sie Resnais als
"Auftragsarbeiten" und betont an ihnen die handwerklichen Aspekte.
Höchste Experimentierlust, die Raffinesse des Artifiziellen, verbindet
sich bei ihm auf verblüffende Weise mit den Traditionen und
Beglückungen des Unterhaltungskinos – vom Expressionismus der 1920er
Jahre bis zu den Studiomusicals aus der Blütezeit Hollywoods.
Es passt perfekt zum Mysterium Resnais, dass seine frühen und
berühmtesten Filme – "Hiroshima mon amour" (1959) und "L’Année dernière
à Marienbad" (1961) – zwar weithin als Klassiker geläufig, aber nicht
unbedingt "typisch" für das Gesamtwerk des Regisseurs sind. Trotz
einiger Resnais-Charakteristika wirken sie im Rückblick eher wie
Kreuzungspunkte mit den faszinierenden Oeuvres seiner jeweiligen
Autoren-Partner: Marguerite Duras und Alain Robbe-Grillet.
Beide Filme sind Schlüsselwerke des kinematografischen Aufbruchs in
die Moderne um 1960. Mit der ersten Alain-Resnais-Gesamtschau in
Österreich zeigt das Filmmuseum – nach Agnès Varda, Jacques Demy und
Chris Marker – nun eine weitere Zentralfigur des französischen Films.
Neben Resnais’ Schlüsselwerken "Hiroshima mon amour" und "L’Année
dernière à Marienbad" bringt das Filmmuseum auch seine jüngsten Werke.
Der doppelte Resnais-Boden
Die kunstvoll komponierten Filme "On connaît la chanson" (ein
Pop-Singspiel), "Pas sur la bouche" (eine furiose Operettenfarce) und
"Coeurs" (ein amouröser Reigen) zeigen besonders den doppelten
Resnais-Boden: Es sind zutiefst persönliche Meditationen, "getarnt" als
Unterhaltungsstücke. Ganz nebenbei eröffnen sie den emotionalen Kern im
Kino von Resnais. Der Filmemacher stellt sich zeit seines Lebens neuen
Aufgaben (wie im Filmdoppel nach Alan Ayckbourn: "Smoking/No Smoking",
1993) und geht seinen Interessen zwischen Pop und Hochkultur nach: von
der satirischen Fusion aus Tragikomödie und Wissenschaftsfilm ("Mon
oncle d’Amerique", 1980) über die Erforschung angeblich veralteter
Bühnenkunst ("Mélo", 1986) bis zur Comic-Maskerade "I Want to Go Home"
(1989) – das Spektrum eines täuschend sanften Surrealisten. (vf)
Retrospektive
Alain Resnais
7. April bis 2. Mai
Österreichisches Filmmuseum,
1010 Wien, Augustinerstraße 1
Infos unter Tel. 01/533 70 54 und im Internet unter http://www.filmmuseum.at
Donnerstag, 03. April 2008
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