
Robert Wilsons "VOOM Portraits", Neue Galerie Graz, bis 6. 9. 2009. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr


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- Großes Theater in Graz. Star-Regisseur Robert Wilson inszeniert.
Schauplatz ist aber weder die Oper noch das Schauspielhaus. Der
US-amerikanische Multimediakünstler präsentiert in der Neuen Galerie
des Landesmuseums _Joanneum eine Serie von Video-Porträts als
Bühnenstück: Die VOOM Portraits sind eine Kooperation zwischen dem
Satelliten-TV Sender VOOM HD Networks, der sein Programm ausschließlich
in High-Definition-Technik ausstrahlt und dem visionären Lichtmagier
Wilson.
Kurator Peter Weibel hat zwanzig Porträts aus den
derzeit sechzig Videos ausgewählt. Die Miniatur-dramen laufen in der
Ausstellung in einer Endlosschleife auf hochauflösenden
Flachbildschirmen als Kunstwerke ab. Ungewöhnlich ist nicht nur die
Technik und Konzeption, sondern auch die Präsentation der
Porträtierten. Die Popsängerin und einstige Mick-Jagger-Muse Marianne
Faithfull zieht als Vampirin die Besucher im Stiegenaufgang des
barocken Gebäudes magisch in eine neue Kunstwelt.
Schauspieler
Willem Dafoe kommt als wütendes Ungeheuer aus einer in Flammen
stehenden Tür. Und Steve Buscemi wird als verrückter, kaugummikauender
Fleischhauer in einer Varieté-Show abgebildet. Hollywood-Beau Brad Pitt
steht als er selbst im Regen - in Boxershorts und Socken mit einer
Spielzeugpistole in der Hand. „Ursprünglich hatte ich vorgeschlagen,
dass er es nackt macht", sagt Wilson und lacht dabei.
Andere
Arbeiten beziehen sich auf die Kunstgeschichte. Der Schauspieler Robert
Downey Jr. wird zur Leiche aus Rembrandts Die Anatomie des Dr. Tulp.
Prinzessin Caroline von Monaco erinnert an die Rolle ihrer Mutter,
Grace Kelly, im Alfred-Hitchcock-Film Das Fenster zum Hof.
Roter Faden im Schaffen
„Menschen
müssen bei mir nichts darstellen. Sie können ganz sie selbst sein, das
widerspiegelt am besten ihr inneres Ich", ist Wilson überzeugt.
„Leinwandlegende Jeanne Moreau ist als die schottische Königin Maria
Stuart zweieinhalb Stunden regungslos dagestanden, sie hat aber nie
versucht, jemand anderer zu sein als sie selbst. Dieses Prinzip zieht
sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Schaffen."
Der 1941
im US-Bundesstaat Texas geborene Robert Wilson gilt als Universalgenie:
Er war und ist Opern- und Theaterregisseur, Autor, Architekt, Designer,
Lichtkünstler und Maler - eine Art Ein-Mann-Weltkonzern der
Kulturbranche. Legendär und bahnbrechend waren etwa seine Inszenierung
der Philip-Glass-Oper Einstein on the Beach oder das Musical The Black
Rider mit Tom Waits.
Doch wer immer der Autor sein mag, am Ende
trägt das Werk die unverwechselbare Handschrift Wilsons. Präzise
Bewegungen im Zeitlupentempo sind für die Arbeit des Regisseurs
charakteristisch. Als er 17 Jahre alt war, heilte ihn die Therapeutin
Byrd Hoffman vom Stottern, indem sie ihn lehrte, sich ganz langsam und
konzentriert zu bewegen und ebenso langsam zu sprechen.
Mit
seiner außergewöhnlichen Formsprache produziert er seine
Slowmotion-Werke in zunehmendem Tempo: Samuel Beckett demnächst beim
Festival in Spoleto. Mit Krapp's Last Tape tritt er auch als
Schauspieler auf. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival begegnet der
Bilderarchitekt Robert Wilson dem Musikbaumeister Johann Sebastian Bach
und taucht die Johannespassion, das barocke Oratorium, in modernes
Licht.
Es folgen New York, Paris, Mailand, Prag und Peking. Der
vielseitige Wilson ist ein gefragter, aber auch unfassbarer Mann. Ein
Besessener, der nie müde zu werden scheint. Er ist ein Lichtblick am
Firmament des Welttheaters. (Karel Amberson/DER STANDARD, Printausgabe,
22. 6. 2009)