Gerade 24 Stunden alt war die Filmkopie,
die zur Eröffnung der Diagonale am Dienstag gezeigt wurde:
Florian Flickers Dokumentarfilmdebüt "No Name City", ein
Porträt des gleichnamigen Western-Themenparks in
Niederösterreich. Von Anfang an geplant war, dass das Filmteam
vorkommen sollte, und so ist der Regisseur selbst immer wieder
im Bild, lässt sich beim Kauf eines Cowboyhutes beraten,
feiert seinen Geburtstag mit den Stadtbewohnern.
Die
Westernstadt ist eine Zwischenwelt, in der sich Realität und
Fiktion andauernd vermischen, ebenso wie im Film: Waterloo
(vom Sangesduo "Waterloo und Robinson") tritt als Winnetou
auf, und rutscht unversehens in die Rolle des Vermittlers
zwischen den Stadtbewohnern und dem Hauptpächter. Hier wird
der Film zur Realsatire, bei der sich jeder Kabarettist nur
traurig abwenden kann, denn besser würde er es nicht
hinbekommen. "Together we are strong", versichert Waterloo wie
ein populistischer Kleinstadtpolitiker, um gleich darauf bei
den Verhandlungen ernsten Gesichtes sein Unverständnis der
Situation zugeben zu müssen.
Zur Eröffnung eines
Filmfestivals könnte es kaum eine bessere Wahl geben:
Western-archetypische Figuren stehen Seite an Seite mit den
wirtschaftlichen Streitereien der Bewohner, mit dem Tonmann,
der das Mikro hält und die Gespräche
aufnimmt.
Kamerafrau Birgit Gudjohnsdottir verwendet
das breite Cinemascope-Bildformat, um klassische
Western-Aufnahmen zu machen, von der leeren Stadt im Wind, von
verwitterten Holzfassaden. So harmonisch die Kameraarbeit
wirkt, zerfällt der Film doch in mehrere Teile, hat auch
Längen. Egal: ein grandioser Beginn für ein Festival, bei dem
hoffentlich noch viel Aufregendes vom österreichschen Film zu
sehen sein wird.
vom 23.03.2006 |