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von
Magdalena Miedl
DIAGONALE: Realsatire mit Winnetou-Waterloo
Cowboyhüte zur Eröffnung
Gerade 24 Stunden alt war die Filmkopie, die zur Eröffnung der Diagonale am Dienstag gezeigt wurde: Florian Flickers Dokumentarfilmdebüt "No Name City", ein Porträt des gleichnamigen Western-Themenparks in Niederösterreich. Von Anfang an geplant war, dass das Filmteam vorkommen sollte, und so ist der Regisseur selbst immer wieder im Bild, lässt sich beim Kauf eines Cowboyhutes beraten, feiert seinen Geburtstag mit den Stadtbewohnern.

Die Westernstadt ist eine Zwischenwelt, in der sich Realität und Fiktion andauernd vermischen, ebenso wie im Film: Waterloo (vom Sangesduo "Waterloo und Robinson") tritt als Winnetou auf, und rutscht unversehens in die Rolle des Vermittlers zwischen den Stadtbewohnern und dem Hauptpächter. Hier wird der Film zur Realsatire, bei der sich jeder Kabarettist nur traurig abwenden kann, denn besser würde er es nicht hinbekommen. "Together we are strong", versichert Waterloo wie ein populistischer Kleinstadtpolitiker, um gleich darauf bei den Verhandlungen ernsten Gesichtes sein Unverständnis der Situation zugeben zu müssen.

Zur Eröffnung eines Filmfestivals könnte es kaum eine bessere Wahl geben: Western-archetypische Figuren stehen Seite an Seite mit den wirtschaftlichen Streitereien der Bewohner, mit dem Tonmann, der das Mikro hält und die Gespräche aufnimmt.

Kamerafrau Birgit Gudjohnsdottir verwendet das breite Cinemascope-Bildformat, um klassische Western-Aufnahmen zu machen, von der leeren Stadt im Wind, von verwitterten Holzfassaden. So harmonisch die Kameraarbeit wirkt, zerfällt der Film doch in mehrere Teile, hat auch Längen. Egal: ein grandioser Beginn für ein Festival, bei dem hoffentlich noch viel Aufregendes vom österreichschen Film zu sehen sein wird.

OÖnachrichten vom 23.03.2006
 
   



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