
Wien - Langeweile ist die Mutter der Kreativität, so Ron Arads Dogma. Von Fachleuten wird er schon mal als englische Antwort auf Philippe Starck bezeichnet, bei dem statt der Routine eines Industriedesigns, der Konzeptgedanke des Künstlers das Maß aller Dinge ist. Im Rahmen der Design-Auktion stehen im Dorotheum am 9. Mai fünf Arbeiten des 1951 in Tel Aviv geborenen Designers im Angebot.
Anfänglich dominierten noch Ausführungen von Einzelstücken, so genannte "one-offs", die 1981 auch als Namensgeber seiner ersten Firma fungierten. Hier entstanden Möbel und Einrichtungsgegenstände aus Metallröhren oder auch Gusseisen. Sie vermittelten jene raue Ästhetik, mit der Arad zum Synonym für den trendigen High-Tech-Look avancierte.
Es folgten Arbeiten aus gehärtetem Stahl, darunter 1986 einer seiner berühmtesten Entwürfe, der Well Tempered Chair. Die Schätzungen für diese Neuinterpretation des klassischen Polsterfauteuils aus gebogenem Stahlblech liegen bei 10.000 bis 12.000 Euro. Ausgeführt wurde er von Vitra (1986-93), der erste von vielen Herstellern, der die Zusammenarbeit mit dem Briten suchte. Dem stählernen Fauteuil steuerte Vitra schließlich noch eine preiswertere Ausführung aus gepresstem Plastik bei - das "demokratische" Arad-Möbel war geboren.
Im Laufe der Jahre wuchs die Liste der seriell orientierten Auftraggeber, darunter Alessi, Artemide oder Martell. Für Moroso, 1952 in Udine als traditioneller Polstermöbelerzeuger gegründet, schuf Arad 1988 den Big Easy, ein Sitzobjekt im Spannungsfeld zwischen Kunst und Design. Die Version Big Easy Mixed, in einer kombinierten Ausführung von poliertem und mattiertem Stahl aus dem Jahr 2003, fünftes von 20 Exemplaren, lockt als Coverlot des Auktionskataloges - die Taxen belaufen sich auf 40.000-50.000 Euro.
Günstiger ist das 1989 entworfene Kinderpendant Soft Little Easy aus Schaumstoff auf Stahlblechrahmen mit Wollstoff. Samt Filzstift-Signatur des Designers liegen die Erwartungen bei 7000 bis 9000 Euro. Die "jüngsten" Arad-Designs im Angebot: ein Schichtholz-Stuhl für das Cafe Belgo in London 1993 (Empty, 1200-1600 €) sowie eine gelbgrüne Polypropylen-Version mit Signatur, 1999 im Auftrag von Kartell entworfen (300-500 €). (kron / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27.4.2006)