Schnee als Metapher für Vergänglichkeit und Wiederkehr ist vielleicht kein schlechtes Thema für eine letzte Ausstellung. Wie die aktuelle im Vorarlberger Landesmuseum, die letzte im alten Haus, bevor es wegen Um- bzw. Neubaus bis 2013 geschlossen wird. So wird anhand von 160 Bildern, Grafiken und Objekten aufgezeigt, wie grundlegend sich in den letzten 200 Jahren die künstlerische Wahrnehmung des Schnees als ganz besonderer Rohstoff der Kunst gewandelt hat. Der übrigens absolut nicht immer weiß sein muss.
Zu sehen sind romantische Sehnsuchtsbilder genauso wie düstere, mythisch umflorte Szenarien der Bedrohung, Bilder von Ferne und Nähe, von Eroberung und Unterwerfung. Zelebriert als reizvolles Spiel mit formalen Gegensätzen, indem in sämtlichen sieben Kapiteln der Schau – ein Teil davon im Lecher Museum Huber-Hus – alte mit neuer Kunst konfrontiert wird.
Die Spurensuche nach dem Schnee in der Kunst setzt um etwa 1800 ein, als durch die Ideen der Aufklärung Interesse an der Welt des Hochgebirges erwacht. Viele Alpengipfel wurden erstmals bestiegen und wissenschaftlich vermessen. Auch die Künstler eroberten mit Bleistift und Pinsel die Welt des Schnees: Caspar Wolf, Jakob Gauermann, Ferdinand Georg Waldmüller – alles Städter, die die Bergwelt als übermächtig archaisch empfinden. In ihren Bildern kommt der Mensch gar nicht vor oder mutiert zur verschwindend kleinen Staffage. Sie malen aber keine idealen Landschaften (wie Joseph Anton Koch), sondern sehr reale. Wolf etwa trug seine im Atelier gemalten fast fertigen Bilder oft in die Berge, um sie vor dem Motiv auf ihre Stimmigkeit zu überprüfen.
Unmittelbar neben diesen Werken hängt ein Bild von heute, das auf den ersten Blick wie eines von gestern ausschaut. Das Duo Monica Studer und Christoph van den Berg hat es am Computer als artifizielles Scheinbild des Erhabenen generiert.
Wie bunt Schnee sein kann
Wie bunt Schnee sein kann, führten die Impressionisten vor, etwa Claude Monets in sämtlichen Pastelltönen gemaltes Bild „Antibes et les Alpes maritimes“ von 1888. Berge und Schnee waren bei den Sezessionisten (Giovanni Segantini, Ferdinand Hodler) und Expressionisten ebenfalls beliebt, wunderbar vertreten durch Ernst Ludwig Kirchner oder Alfons Walde, dem Tiroler Schneemaler schlechthin. Er ist auch im Kapitel der Schau über die Eroberung der Bergwelt durch die Wintersportler vertreten. Fabelhaft in ihrer formalen Raffinesse auch Waldes Darstellungen elegant gekleideter Städterinnen auf der Piste und beim fröhlichen Après-Ski im noch wirklich noblen Kitzbühel.
Dass die Wahrnehmung des Schnees sehr subjektiv ist, führen viele heutige Künstler vor: Ein Video von Marc Lewis beweist, dass (fast) alles nur eine Sache der Perspektive ist. Oder der Verpackung, das zeigen Not Vidals Schneekugeln der besonderen Art. Joseph Beuys bepackte einen Schlitten mit Filz und Fett, machte ihn so zum Überlebensutensil. Fröhlicher gibt sich Roman Signer und lässt eine bunte Leuchtröhre durch eine schneebedeckte Landschaft tanzen.
Auch abseits der „hohen Kunst“ wird viel geboten: alte Skier und Rucksäcke, hinreißende Tourismusplakate aus dem frühen 20. Jahrhundert, alte Skifilme und köstliche Erzeugnisse naiver Volkskunst.
Noch bis 4.Oktober im Vorarlberger Landesmuseum, Kornmarkt 1, Bregenz.
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