Feminismus in Bildern – und Taten

(mj)
"Endlich! Frauen verdienen 30 Prozent mehr als Männer!" Das klingt zu
schön, um wahr zu sein. Und es ist auch nur eines der künstlerischen
Projekte im Umfeld des heurigen Frauentags. Stefanie Seibold hat ihrer
"Gratis-Zeitung zum 8. März 2011" diese Headline verpasst – ein
ironischer Kommentar zu den gegenwärtigen Verhältnissen.
Zum 100. Jubiläum des Frauentags wird das Blatt in hoher Auflage an
jenen Orten verteilt, die einen historischen Bezug zur Geschichte des
Aktionstags haben. Den hat vor allem die Wiener Ringstraße. 20.000
Menschen forderten dort am 19. März 1911 "den Frauen gleiches Recht!"
Die Künstlerin Lisl Ponger nimmt darauf Bezug, wenn sie eine
Ringstraßenbahn mit inszenierten Fotografien bespielt, die
demonstrierende Migrantinnen zeigen. In jenen, die demnächst tatsächlich
diese Tram benützen, kommt vielleicht Solidaritätsgefühl auf.
Seibolds und Pongers Interventionen sind Teil von "In. Anspruch.
Nehmen", einem Kunstprojekt im öffentlichen Raum, das die Ausstellung
"Feste. Kämpfe. 100 Jahre Frauentag" im Museum für Volkskunde begleitet.
Zeitungsberichte, Plakate, Fotografien und andere Zeitdokumente geben
dort Auskunft über die wechselvolle Geschichte des Frauentags und die
damit verbundenen Bewegungen. Die Schlagwörter "Gleichheit", "Frieden"
und "Körper" ziehen sich als thematische Leitlinien durch die Schau. Die
Kuratorinnen entschlüsseln damit nicht nur die Chronologie der
Ereignisse, sondern kristallisieren auch die dominierenden Probleme
heraus, zu denen die Frauenbewegungen unterschiedlicher Dekaden Stellung
bezogen. Ging es vor 1918 vor allem darum, das Wahlrecht für Frauen zu
erkämpfen, verband sich nach 1945 die Forderung nach politischer
Teilhabe mit jener nach Schutz der Familie und Frieden. In den 70ern
schließlich prägten Themen wie Sexualität, häusliche Gewalt,
Kindererziehung und Abtreibung den politischen Diskurs mit.
Wo aber stehen wir heute? Die Schau macht bewusst, wie viel erreicht
wurde, wie viel noch nicht. "Jeder zweite Abgeordnete ist eine Frau"
heißt es auf einer Wahlwerbung 1985, die eine fröhliche Johanna Dohnal
zeigt. Wenn wir uns da bloß mitfreuen könnten.
Ausstellung
Feste. Kämpfe 100 Jahre Frauentag
Österreichisches
Museum für Volkskunde
bis 30. Juni 2011
Printausgabe vom Freitag, 04. März
2011
Online seit: Donnerstag, 03. März 2011 18:16:00