| Ikonen des Weiblichen | |
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Die indische Plakatmalerei hat einen eindeutigen Hang zur holden
Weiblichkeit.
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Es gibt sie tatsächlich noch: die
Kalendermaler in Indien. Sie stellen zumeist anonym die Bilder her, die
dann als Druckvorlage für Kalender dienen und zu Hunderttausenden in alle
Winkel des Subkontinents verkauft werden. Lokale Maler ergänzen die Bilder
mit lokalen Motiven und lokale Druckereien bringen noch die gewünschte
lokale Werbung an. Das geht so seit über hundert Jahren. Krishnas Arme
Einige Motive sind dabei gleich geblieben, andere haben sich verändert.
Gleich geblieben sind vor allem die religiösen Darstellungen. Die
Göttinnen mit den vielen Armen in starken, knalligen Farben; die Mutter
Krishnas etwa mit dem blauen Kind am Arm, wobei das Blau auf die
Göttlichkeit des Babys verweist. Die religiösen Motive sichern den
indischen Kalendermalern in den Zeiten der Fotografie und des Computers
auch das Überleben, erklärt die Soziologin Patricia Uberoi, Leihgeberin
und Kuratorin der Kalenderblätter. Wie fotografiert man eine Göttin? Interessant ist aber auch, dass mit Bildern gearbeitet wird, die
tatsächlich als religiöse Bilder verehrt werden. Und da ist es mit der
Fotografie natürlich schwierig. Denn wie fotografiert man einen Gott oder
eine Göttin? "Man kann zwar das Gesicht eines Filmstars verwenden oder
eines Models aus der Werbung, aber dann muss man sie mit vier oder acht
oder zehn Armen versehen und das ist nicht so einfach", erläutert Patricia
Uberoi schmunzelnd. Irdische Göttinnen
Die meisten der Damen, die sich jetzt auf den indischen Kalenderbildern
räkeln, sind aber durchaus irdische Göttinnen: Romantische Schönheiten mit
Halbmond im Hintergrund à la "Tausend und eine Nacht", kämpferische
Heldinnen, liebevolle Mütter, selbstbewusste Schauspielerinnen, die vor
dem Taj Mahal ihr Coca Cola schlürfen, und brave Bäuerinnen und
verführerische leichte Mädchen. Unerreichtes Ideal?
Dargestellt wird also ein idealisiertes Frauenbild, das die realen
Inderinnen ehrt und ärgert zugleich. Gilt die Verehrung doch einem
unerreichbaren Ideal und nicht dem erreichbaren Alltag, wie er auf den
Monaten und Tagen der Kalender verzeichnet ist. Auf vielen Bildern werden
die schönen Frauen zudem mit irgendwelchen begehrenswerten Gegenständen
abgebildet, vom Fahrrad über das Auto bis hin zu Fernsehgeräten und
Nähmaschinen, Uhren und Juwelen, um auch diese Sehnsüchte noch zu schüren.
Kein Wunder, dass Patricia Uberoi, die seit Jahrzehnten in Indien lebt und
forscht, große Parallelitäten zwischen Kalendermalerei und Werbung
sieht. Wenig Prestige
Bis jetzt ist die indische Kalendermalerei als Kunstform genauso wenig
anerkannt worden wie etwa die Plakatmalerei. Die Künstler sind anonym, die
Druckereien schneiden ihre Namen meistens weg und keiner kümmert sich um
Copyrights. Außerdem sind diese Bilder einfach da, überall und seit
Ewigkeiten. Beginnender Boom Erst heute fangen die ersten Galerien und Museen an, einzelne Arbeiten
auszustellen. Wobei sich aus nostalgischen Gründen ältere Exemplare - etwa
aus den 60er und 70er Jahren - größerer Beliebtheit erfreuen. Da es sich
um Massenkunst handelt, glaubt Patricia Uberoi aber nicht, dass die
Kalendermalerei dem feinen Geschmack der gebildeten Bevölkerung
entspricht. "Die grellbunten Farben, die kitschige Formensprache gelten
als Beleidigung für den guten Geschmack", so Uberoi. Dennoch ist es heute so, dass immer mehr anerkannte bildende Künstler
diese Malerei für sich entdecken und in ihre Arbeiten einfließen lassen.
Und das führt wiederum zu einer Anerkennung dieser Kunst in allen
Bevölkerungsschichten, als Kunst für jeden Tag. So verzieren die schönen
Damen nun mit Fug und Recht auch die Wohnzimmer kunstsinniger Inder. In
den Autowerkstätten hatte man ihre Qualität ohnehin schon lange
erkannt. Tipp: Die Ausstellung "From Goddess to Pin-Up", Ikonen des Weiblichen in der
indischen Kalendermalerei, ist von 28. Februar bis 22. April im Wiener MAK zu sehen. | ||||||||||