In der Wiener Generali
Foundation führt eine exzellente Ausstellung anhand der Arbeit von
vier Künstlern „Designs für die wirkliche Welt“ vor.
Ein hybrider Supermarkt-Einkaufswagen:
mobiles Heim für Obdachlose. Der Hippo Water Roller: klingt
sportlich, ist aber, wie’s aussieht, einfach ein Wassercontainer zum
Nachziehen. Sie kommen als tragbare Kamera daher oder als bosnischer
Schwarzmarkt: Designs für die wirkliche Welt. 1969 erschien in
Schweden Viktor Papaneks Buch „Designs for the Real World“, das den
Propagandisten der guten Form Beteiligung an so mancher
gesellschaftlichen Hässlichkeit vorwarf.
Papanek liefert die
Chiffre für eine aktuelle Ausstellung in der Generali Foundation,
die sich um Lebensraumgestaltung dreht: initiiert und ausgeführt von
Künstlern wohlgemerkt, nicht von Designern oder Architekten. Die
ressortunzuständige Kunstfraktion wird vom bürgerlichen Idealisten
nur allzu gern auf die ästhetische Reservebank geschickt – meist mit
der Mahnung versehen, doch nicht in den Terrains der Realos zu
wildern.
Denn wer heute interdisziplinär und kontextbezogen
arbeitet, für den ist Design mehr als bloße Oberflächenvariation.
Wer Kunst, Design und Architektur mit dem Thema Gesellschaft
verbindet, Recherchemodalitäten und die Beobachtung der Wirklichkeit
in ästhetisch wie funktional überraschende Form bringt, gehört zu
jenen Tiefschürfern, die das Kunstwerk noch als Resultat von
Reflexionen begreifen.
Exemplarisch dafür zeigt man nun in
Wien, in der Ausstellung „Designs für die wirkliche Welt“, einmal
den Polen Krzysztof Wodiczko, einen Veteranen für
Kommunikationsstrategien im öffentlichen Raum. Der Professor am
M.I.T. schlägt etwa eine fahrbare Rednertribüne vor, die durch
Sprechemphase betrieben wird: Wer lauter brüllt, fährt
schneller.
Die Slowenin Marjetica Potrc arbeitet am urbanen
Drama der Slums und der Barackensiedlungen. Sie erzählt von „gated
communities“ und Lebensstrategien im Elendsviertel. Würde man das
zerstörte Königsberg überfluten, so eine ihrer subversiven
Botschaften, ließe sich aus der Katastrophe touristisches Kleingeld
schlagen. Die bosnische Architektin Azra Aksamija dokumentiert den
Arizona-Markt auf der Straße nach Sarajewo. Umgeben von Minenfeldern
und Ruinen wuchert ein bizarrer Organismus zwischen orientalischem
Basar und Shopping Mall, dynamisch, konfliktbeladen.
Die
heißen Spuren aus dem Osten treffen auf Florian Pumhösls coole
Modelle zu Papaneks Konzept, zur Rhetorik der Moderne, zu
Nachhaltigkeit und Verantwortung im Design: die soziale Dimension
als Grundnahrungsmittel der Kunst.
„Designs für die wirkliche Welt“, bis 22.12., Wiener
Generali Foundation, Wiedner Hauptstraße 15, 1040 Wien Info-Tel.:
01/504 98 80 foundation.generali.at